Keine Chance für Hellseher

EnergiePartner Süd: Preisgünstiger Strom durch geschickten Handel an der Strombörse

Vier Jahre gibt es den liberalisierten Strommarkt – vier Jahre alt ist auch die SüdWestStrom GmbH, eine der ersten Stromhandelskooperationen in Deutschland. Auch die EnergiePartner Süd – ein Zusammenschluss von sechs Stadtwerken im Ländle – profitiert nun vom Know-how der Tübinger, die mit sieben Experten den Strommarkt durchleuchten.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Strom ist wie Geld: Man kann immer nur soviel ausgeben, wie man einnimmt. Gerät das Konto ins Minus, wird es wegen hoher Zinsen teuer. Auch beim Strom müssen die Energieunternehmen dafür sorgen, dass immer so viel Strom erzeugt wird, wie ihre Kunden verbrauchen. Ist der Verbrauch nicht gedeckt, schießen die großen Energieerzeuger – im Süden ist das die EnBW – so genannten Regelstrom zu, für den sie hohe Preise verlangen. "Ein einziger Fehler kann ein Stadtwerk viel Geld kosten", warnt Achim Kötzle, Geschäftsführer der SüdWestStrom GmbH.

Bei dem Tübinger Unternehmen ist das bisher noch nicht vorgekommen, obwohl der Handel mit der abstrakten Ware Strom seit Beginn des liberalisierten Strommarkts vor vier Jahren eine Wissenschaft für sich ist. Als Stromhändler der ersten Stunde sorgt die SüdWestStrom dafür, dass die "Stromkonten" von zehn Stadtwerken sowie weiteren 300 Industrie- und 20000 Kleinkunden ihrer 41 Mitglieds-Stadtwerke ausgeglichen sind. Mittlerweile agiert die SüdWestStrom auch im Auftrag der EnergiePartner Süd, einem Zusammenschluss von sechs großen Stadtwerken im Ländle, die ihren Kunden die günstigen Preise weitergeben und außerdem einen kompletten Service mit Zählerfernauslese und Gebäudesteuerung anbieten. Zu den EnergiePartner Süd gehören die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, Mühlacker, Schwäbisch Hall, Tübingen, die Energie Plus Ulm und die Technischen Werke Friedrichshafen.

Sieben Experten durchleuchten in Tübingen den Strommarkt, allein drei sind für das Fahrplan-Management zuständig. Sie errechnen aus dem Strombedarf der Kunden die Strommenge, die von zwei weiteren Kollegen für den nächsten Tag unter anderem an der European Energy Exchange (EEX), der Strombörse in Leipzig, eingekauft werden muss beziehungsweise verkauft werden kann. Bis zwölf Uhr werden die Gebote abgegeben, dann stehen Mengen und Preise fest. "Der Strompreis ändert sich jede Viertelstunde", sagt Kötzle. Mittlerweile ist sogar der Intraday-Handel möglich. Dabei wird telefonisch unter den Stromhändlern Energie besorgt und veräußert, für wenige Stunden im voraus. Bei extremen Spitzen wird auch schon mal rumtelefoniert, ob nicht jemand noch ein Dieselaggregat anwerfen kann.

Achim Kötzle hat sich jetzt einen neuen Service ausgedacht: Stadtwerke, die Kunden in einem fremden Netz beliefern möchten, müssen für diese so genannte Netznutzung ein Entgelt bezahlen. Damit nicht jedes Mitglied der EnergiePartner Süd mit jedem Netzbesitzer einen eigenen Vertrag abschließen muss, will die SüdWestStrom die Verträge ab nächstem Jahr für alle Mitglieder der EnergiePartner Süd zentral verwalten.

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