IFA-Trend Strom sparen

Energieeffizienz: Zwei Großkraftwerke könnten abgeschaltet werden

Auf der IFA 2008 in Berlin werben die Hersteller von Unterhaltungselektronik und den erstmals auf der Messe präsentierten Elektrohausgeräten massiv mit der Energieeffizienz ihrer Geräte. Merkel forderte bei offiziellen Eröffnung der IFA vergangenen Donnerstag die Unternehmen auf, den Energieverbrauch ihrer Geräte weiter zu senken.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - Angesichts steigender Energiepreise und der Debatte um den Klimawandel rückt der Strom- und Wasserverbrauch elektronischer Produkte ins Zentrum des Interesses. Die Industrie hat in den vergangenen knapp 20 Jahren den Energieverbrauch ihrer Geräte zwar deutlich gesenkt. Weitere Einsparpotenziale sind aber dennoch vorhanden.

Bei der IFA-Eröffnung sagte Bundeskanzlerin Merkel, dass es im Stand-by-Modus von Produkten der Unterhaltungselektronik noch beträchtliche Einsparpotenziale gebe. Wenn der Stromverbrauch in dieser Funktion drastisch reduziert würde, könnten zwei Großkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.

dena: Große Fortschritte in den letzten Jahren

Nach Darstellung der Deutschen Energieagentur haben auch die Hersteller von Unterhaltungselektronik in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Reduzierung des Stromverbrauchs erzielt. Die Mehrzahl der TV-Geräte habe die Leistung im Standby-Modus auf deutlich unter ein Watt gesenkt, sagte Annegret Agricola von der Deutschen Energieagentur der Nachrichtenagentur ddp. Die Industrie reagiere auch auf eine im Jahr 2010 wirksam werdende gesetzliche Vorgabe der EU, der zufolge die Stromleistung im Stand-by-Modus begrenzt sein müsse.

Nach Angaben von Reinhard Zinkann, Sprecher der Hausgeräte-Fachverbände im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI), verfolgen die Hersteller von Hausgeräten seit Jahren das Ziel, den Energieverbrauch ihrer Geräte zu senken und Ressourcen zu schonen. So sank den Angaben zufolge beispielsweise von 1997 bis 2007 der Energieverbrauch von Waschmaschinen um 30, bei Geschirrspülern um 40 und bei Kühlschränken um 45 Prozent. Laut Agricola hat die Industrie den Energieverbrauch bei Kühl- und Gefriergeräten sowie Wäschetrocknern im Vergleich zum Jahr 1990 um 75 Prozent gesenkt.

Verbraucher müssen über Sparpotenziale aufgeklärt werden

Doch offenbar tauchen die Verbraucher ihre alten Geräte, die viel Strom verbrauchen, nicht so schnell gegen energiesparende Modelle aus. Die Nachfrage hinke hinter dem Angebot her, sagte Zinkann. So seien zurzeit europaweit nur rund drei Prozent der verkauften Kühlschränke mit der Energielabel-Topklasse A++ gekennzeichnet. In den europäischen Haushalten seien noch 180 Millionen mehr als zehn Jahre alter Hausgeräte im Gebrauch. Hier gelte es, für Handel und Industrie gemeinsam, sich weiter zu engagieren und den Kunden über Energieeinsparpotenziale bei Elektrohausgeräten aufzuklären, sagte Zinkann.

Auch Unterhaltungstechnik wird sparsamer

Auch die Markenhersteller der Unterhaltungselektronik haben auf die ökologische Herausforderung mit neuen Technologien und Gerätekonzepten reagiert. Bei den TV-Geräten seien in den vergangenen Jahren sowohl die Werte für Betrieb als auch Standby-Funktion deutlich reduziert worden, wie Roland Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik mitteilte.

So verbrauchten LCD- und Plasma-TVs zwischen 25 und 35 Prozent weniger Energie als noch vor drei Jahren. Für den Stand-by-Verbrauch müsse mit weniger als einem Watt im Vergleich zu 1997 heute nur noch ein sechstel der Energie aufgewendet werden, fügte Stehle hinzu. Das bedeute, dass eine 60-Watt-Glühlampe 120-mal soviel Energie verbrauche wie ein modernes TV-Gerät im Stand-by-Betrieb.

Diese Entwicklung setze sich kontinuierlich fort. So würden neue Bildschirmtechnologien zusätzliche Potenziale für erhebliche Verringerungen des Energieverbrauchs erschließen. Dazu zählten LED-Hinterleuchtungen von LC-Displays sowie eine Technik, die bei Plasma-Schirmen geringeren Energiebedarf bei gleicher Helligkeit ermögliche. Zudem sei die Serienreife großer, sparsamer Displays bereits absehbar, ergänzte Stehle.

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