Nachbesserungen gefordert

Energieausweis für Wohngebäude bislang wirkungslos

Der Deutsche Mieterbund und die Verbraucherzentrale NRW fordern Nachbesserungen beim Energieausweis für alle Wohnbauten. Bislang biete das Dokument wegen zahlreicher unklarer Regeln keine Orientierung für Mieter und Wohnungskäufer über die tatsächlichen Energiekosten, kritisiert der Landesvorsitzende des Mieterbundes, Bernhard von Grünberg.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Seit dem 1. Januar muss der Energieausweis eigentlich bei Vermietung und Verkauf von Immobilien vorgelegt werden, die nach 1965 errichtet wurden. Für Altbauten gilt der Ausweis schon seit Juli 2008.

Der Bund müsse die Bestimmungen zum Energieausweis nachbessern und präzisieren, sagte der Chef der NRW-Verbraucherzentrale, Klaus Müller. "Der Energieausweis droht ein zahnloser Papiertiger zu werden", fügte er hinzu. Zahlreiche Verkäufer oder Vermieter legten den Ausweis bislang überhaupt nicht vor. Dies solle von den Kommunen stärker kontrolliert werden. Zudem müsse der Ausweis einheitlich den tatsächlichen Energiebedarf enthalten. Dazu müssten Energie-Experten die jeweilige Immobilie vor dem Verkauf überprüfen. Dies sei bisher nicht verbindlich vorgeschrieben.

Online-Energieausweise oft ungültig

Die Vergabe von Energieausweisen über das Internet sei problematisch, sagte Müller. Ein Drittel der Anbieter von Online-Energieausweisen biete ungültige Dokumente an. Das ergab bereits im Dezember eine Überprüfung von 88 Portalen durch die Verbraucherzentrale zu den Energieausweisen für Altbauten.

Die Untersuchung ergab den Experten zufolge, dass nicht einmal jedes fünfte Portal alle 14 Pflichtdaten abfragte, die zur Ausstellung eines formal korrekten Energieausweises notwendig sind.

Dabei hätten Anbieter wichtige Faktoren zur Ermittlung des Energiekennwerts wie beheizte Kellerflächen, längere Leerstandszeiten oder die genauen Verbrauchszeiträume außen vor gelassen. Ob das Gebäude nachträglich gedämmt oder die Heizungsanlage erneuert wurde, habe ein Drittel der Internetanbieter auch bei einem Nach-Check immer noch nicht abgefragt.

Laut Mieterbund müssen die Verbraucher bei den Abrechnungen der Energiekosten für 2008 mit um etwa 30 Prozent höheren Belastungen rechnen. Falls bei Verkäufen oder Neuvermietungen kein ordnungsgemäßer Energieausweis vom Verkäufer oder Vermieter vorgelegt wird, können Mieter und Käufer nach Angaben der Verbraucherzentrale später die Miete mindern oder einen Teil des Kaufpreises zurückverlangen.

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