Abhängigkeit verstärkt

Energieagentur zweifelt am Nutzen der Ostsee-Pipeline

Der Ärger, um den neuen Job von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder im Betreiberkonsortium der neuen Ostsee-Pipeline ist verraucht, und doch ist die Internationale Energieagentur vom Nutzen der riesigen Gasleistung nicht überzeugt. Sie werde die Abhängigkeit von Rußland weiter verstärken, hieß es.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris hat erhebliche Zweifel am Nutzen der geplanten Erdgaspipeline zwischen Russland und Deutschland durch die Ostsee. Russland decke bereits heute mehr als ein Drittel des deutschen Erdgasbedarfs, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).

"Durch die neue Pipeline wird sich diese Abhängigkeit noch weiter verstärken. Mit Blick auf die Versorgungssicherheit Deutschlands ist das eine bedenkliche Entwicklung", warnte der Experte. Birol betonte, die IEA teile die Bedenken Polens gegen das Pipelineprojekt.

Die Agentur könne auch nicht die Argumentation nachvollziehen, wonach die Pipeline die Versorgungssicherheit Polens erhöhe, weil Erdgas ohne Umwege über die Ukraine direkt in den EU-Binnenmarkt geliefert wird. "Polen ist nach seinem EU-Beitritt zwar Teil dieses Binnenmarkts. Aber aus polnischer Sicht wäre es gleichwohl von Vorteil, auch künftig wichtiges Transitland für russisches Erdgas zu sein", sagte Birol.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Erdölförderung

    IEA: Ölpreise könnten sich bald wieder stabilisieren

    Über die niedrigen Ölpreise freuen sich hierzulande zwar die Verbraucher, für die ölproduzierenden Länder allerdings bedeutet der niedrige Preis stetig schrumpfende Einnahmen. Deshalb rechnet die Internationale Energieagentur auch damit, dass einige Länder ihre Fördermengen senken werden - und der damit Preisverfall ein Ende hat.

  • Strom- und Gaspreise

    Opec: Krisen treiben Energiepreise in die Höhe

    Die Energiepreise werden laut Opec insgesamt teurer werden. Die Kämpfe im Irak und der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine haben sich bereits auf die internationalen Ölpreise ausgewirkt. Die USA konnte indessen durch das umstrittene Fracking die Versorgung aus eigenen Quellen steigern.

  • Stromtarife

    Gasprom will deutsche Stadtwerke kaufen

    Wie der "Tagesspiegel" heute in Berlin berichtet, will der russische Gaskonzern Gasprom seine deutschen Beteiligungen ausbauen und eventuell weitere Unternehmen hinzukaufen. Man wolle näher an die Verbraucher heran kommen, hieß es aus der Deutschland-Zentrale in Berlin.

  • Strom sparen

    Verbraucherschützer rechnen durch Ostsee-Pipeline mit Gasverteuerung

    Nicht nur, dass der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Aufsichtsrat des Gaspipeline-Konsortiums sitzen soll, auch der Bau der deutsch-russischen Leitung an sich sorgt nicht für besonders viel Enthusiasmus in Deutschland: Verbraucherschützer befürchten, Gas werde dadurch nur noch teurer.

  • Strompreise

    Deutsch-Russischer Dialog zur Energiepolitik

    In der Staatsduma, dem Parlament der Russischen Föderation, fand jetzt ein Informationsaustausch über die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Ausbau der dezentralen Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien statt. Deutsche und russische Experten diskutierten unter anderem auch Fördermodelle.

Top