Debatte

Energetische Sanierung als Risikofaktor für Armut?

Gebäudesanierung ist sozialer Sprengstoff, sagt ein Darmstädter Wissenschaftler. Dem widerspricht die teilstaatliche Deutsche Energie-Agentur (dena). Aus deren Sicht wird die Energiesanierung des deutschen Gebäudebestands bezahlbar bleiben. Zudem sei die Darmstädter Studie von extremen Eckwerten ausgegangen.

Thermographie© Ingo Bartussek / Fotolia.com

Berlin/Darmstadt (dpa) - "Energetische Gebäudesanierungen sind das einzige Mittel gegen hohe Kostenbelastungen durch steigende Energiepreise", sagte dena-Chef Stephan Kohler am Montag in Berlin. Studien an realen Gebäuden würden zeigen, dass die Sanierung vielfach ohne höhere Warmmiete möglich sei.

Die dena widersprach damit den Ergebnissen einer aktuellen Studie der TU Darmstadt, wonach die Gebäudesanierung "sozialer Sprengstoff" und für weite Teile der Bevölkerung unbezahlbar sei. Die TU Darmstadt stelle die Kosten der energetischen Sanierung unrealistisch hoch dar, warf Kohler den Autoren vor.

Gar nicht zu sanieren sei am teuersten

"Wenn gar nicht saniert wird, ist das für den Mieter die teuerste Variante, da seine Warmmiete durch die steigenden Energiepreise erheblich stärker steigen wird, als wenn sein Haus saniert wird. Die Studie war auf Gesamtkosten von 2,1 Billionen Euro bis 2050 gekommen, um den CO2-Ausstoß der Gebäude in Deutschland um 80 Prozent zu senken. Rund die Hälfte davon entfalle auf Erhaltungsinvestitionen, die ohnehin anfielen.

"Erheblicher sozialer Sprengstoff"

Nach Einschätzung des Darmstädter Wissenschaftlers Prof. Andreas Pfnür kämen auf die Immobilienbesitzer bis zum Jahr 2050 Sanierungskosten von 2,1 Billionen Euro zu, sagte Pfnür. Eine Billion Euro davon sei zusätzlich für Energiesparmaßnahmen aufzubringen. Damit würden sich die monatlichen Wohnkosten in einem Einfamilienhaus um 260 Euro erhöhen, in einer Mietwohnung um 140 Euro. Die Einsparungen durch geringere Heizkosten seien dabei schon berücksichtigt.

Sozial schwache Haushalte wären besonders betroffen, sagte Pfnür. Sie müssten mit Kostensteigerungen von 20 bis 25 Prozent rechnen und die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden. "Das ist dramatisch und bricht den Sozialpakt", sagte Pfnür. "Ein erheblicher sozialer Sprengstoff." Zusätzliche Haushalte würden in die Sozialhilfe rutschen.

Quelle: DPA

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