Endlager Morsleben: Neue Erkenntnisse erfordern sofortiges Handeln im Südfeld

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Im Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) gibt es stärkere Schäden an den sogenannten Schweben (Deckenbereiche zwischen zwei Hohlräumen) als bisher erkennbar. "Wir müssen damit rechnen, dass kurzfristig bis zu 1000 Tonnen schwere Salzbrocken - bergmännisch Löser genannt - von der Decke auf den dort lagernden Atommüll fallen können," erklärte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). "Auf Grund dieser neuen Erkenntnisse zur gebirgsmechanischen Situation im Südfeld des Endlagers Morsleben werden die Resthohlräume der zwei Einlagerungskammern umgehend verfüllt," stellte König die daraus folgenden Konsequenzen dar. Er habe Sofortmaßnahmen wie die Sperrung bestimmter Bereiche im Südfeld angeordnet. Durch geeignete technische Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bewetterung (Belüftung) sei nach derzeitigem Kenntnisstand gewährleistet, dass keine unzulässige Freisetzung radioaktiver Stäube in die Umgebung stattfindet.


Im Rahmen betrieblicher Überwachungsarbeiten waren im Juni/Juli 1999 in einer von zwei Untersuchungsbohrungen vier Risse mit einer maximalen Öffnungsweite von 4,5 cm in der Schwebe eines Abbaus zwischen der 3. und 4a-Sohle festgestellt worden. Daraufhin wurde in Absprache mit dem Bergamt Staßfurt ein Überwachungs- und Untersuchungsprogramm für das Südfeld - dem Bereich, in dem bis 1998 mittelradioaktive Abfälle verstürzt (bergmännisch für: abgekippt) worden waren - in Angriff genommen, um den Stand der Schädigung der Schweben besser bewerten zu können. Die Ergebnisse dieses Untersuchungsprogramms zeigen, dass mit den möglichen Löserfällen Schäden im Einlagerungsbereich auftreten, die für ein verantwortbares Endlager inakzeptabel sind und deshalb die ergriffenen Maßnahmen notwendig machen. Seit dem Regierungswechsel ist die Einlagerung jeglicher radioaktiver Abfälle im ERAM endgültig gestoppt.


Um den Konsequenzen von Löserfällen in den Einlagerungskammern zu begegnen, müssen etwa 20 000 Kubikmeter Resthohlräume in den Einlagerungskammern mit geeignetem Material verfüllt werden. Da eine Wiederaufnahme der Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen nicht mehr in Frage kommt, schreibt die Dauerbetriebsgenehmigung die Restverfüllung der Einlagerungshohlräume vor. Eine Kontaminationsgefahr ist nach der Verfüllung der Einlagerungshohlräume nicht mehr gegeben. Die Standsicherheit des Südfeldes wäre auch im Falle eines völligen Versagens aller Schweben nicht gefährdet.

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