Brisante Papiere

EnBW wollte womöglich Atommüll nach Russland schaffen

Laut einem Zeitungsbericht, der sich auf interne Papiere beruft, soll die EnBW jahrelang den Plan verfolgt haben, Atommüll nach Russland zu exportieren. Sogar ein Endlager für den verseuchten Müll auf russischem Boden sei erwogen worden, um den Rückbau alter Atommeiler zu "optimieren", in einem "international zugänglichen Lager".

Atommüll© Markus Schieder / Fotolia.com

München/Karlsruhe (red) - Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge, der am Mittwoch von diversen Medien aufgegriffen wurde, hat der Versorger EnBW über Jahre konkret damit geliebäugelt, Atommüll nach Russland zu verschaffen. Der drittgrößte deutsche Stromkonzern soll sogar gehofft haben, dort ein Endlager für den radioaktiv verseuchten Müll anlegen zu können. Diese brisanten Informationen hat die Zeitung nach eigenen Angaben "vertraulichen Papieren" der EnBW aus dem Jahr 2006 entnommen.

(Noch) kein Atommüll im Ausland

Bei der EnBW wollte man sich zu dem Bericht nicht direkt äußern - legte jedoch Wert auf die Feststellung, "zu keinem Zeitpunkt" Müll nach Russland exportiert zu haben. Ein Sprecher bestätigte lediglich allgemein, man habe "mögliche Optionen im Ausland" prüfen und bewerten lassen - etwa beim Rückbau des Meilers Obrigheim. Prinzipiell erlaubt die europäische Gesetzgebung sogar das Exportieren von Atommüll im Ausland, allerdings hat die Regierung Merkel kürzlich durchblicken lassen, solche Transporte nicht anzustreben. Atomkraftgegner warnen seit Jahren davor, das deutsche Atomgesetz entsprechend aufzuweichen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Anti-Atomkraft-Bewegung

    Atomausstieg: Bund will Konzerne bei Mitfinanzierung festnageln

    Um die Rückstellung der Atomkonzerne zur Finanzierung des Atomausstiegs zu sichern, hat das Bundeskabinett eine neue Regelung beschlossen. Damit sollen vor allem mögliche Schlupflöcher wegen der geplanten Aufspaltungen der Firmen geschlossen werden.

  • Atomenergie

    Medien: Kommission schlägt Atom-Entsorgungs-Pakt vor

    Bis 2022 soll auch der letzte Atommeiler ausgeschaltet werden. Wo die verstrahlten Überreste der Anlagen verbleiben sollen und wer für die Entsorgung aufkommen soll, steht hingegen noch nicht fest. Ein neuer Vorschlag der Atom-Kommission sieht einen Finanzpakt zwischen den Konzernen und dem Staat vor.

  • Atommüll

    Merkel: Keine Atommüll-Lagerung im Ausland (Upd.)

    Die Bundesregierung setzt eine EU-Richtlinie um und kündigt damit den Allparteienkonsens über den Vorrang der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle im Inland auf. Gleichwohl, so stellte Kanzlerin Merkel am Wochenende klar, bedeute dies nicht, dass eine Lagerung von deutschem Atommüll im Ausland geplant sei.

  • Atommüll

    Asse hätte nie Atomendlager werden dürfen

    In dem ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel hätte nach den Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses in Hannover niemals ein Atomendlager eingerichtet werden dürfen. Der Ausschuss des niedersächsischen Landtages schloss am Donnerstag nach mehr als drei Jahren, 71 Sitzungen und der Vernehmung von mehr als 50 Zeugen seine Arbeit ab.

  • Hochspannungsleitung

    EnBW bereitet Abriss ausgedienter Atommeiler vor

    Gut 14 Monate nach ihrer Stilllegung bereitet der Energiekonzern EnBW den Rückbau ausgedienter Atommeiler vor. "In Kürze" werde das Unternehmen damit beginnen, die Zellenkühltürme von Block I des Kernkraftwerks Neckarwestheim bei Heilbronn zu demontieren. Zudem gehen die Arbeiten in Philippsburg und Obrigheim weiter.

Top