Wie im Krimi ...

EnBW weist Verdacht einer Observierung Golls zurück

Nach dem Ausscheiden von Eberhard Grauf als Leiter des Atomkraftwerks Neckarwestheim hatte die EnBW ihn nach eigenen Angaben observieren lassen, um "vorzusorgen", dass von ihm "keine gegen das Unternehmen gerichteten Handlungen initiiert oder ausgeführt werden".

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Karlsruhe (ddp/sm) - Der Energiekonzern EnBW weist den Verdacht einer Bespitzelung seines ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll zurück. "Die EnBW hat Herrn Goll nicht observieren lassen", sagte EnBW-Pressesprecherin Petra Wöllmer am Freitag in Karlsruhe auf ddp-Anfrage. Die am Mittwoch bekannt gewordene Observierung des ehemaligen Leiters des Atomkraftwerks Neckarwestheim, Eberhard Grauf, durch Detektive sei ein "singulärer Fall" gewesen.

Damit reagierte Wöllmer auf einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" (Freitagausgabe), wonach Goll "offenbar über Wochen hinweg von Detektiven beobachtet" wurde. Die Überwachung soll nach Informationen der Zeitung im Spätsommer 2003 begonnen haben. Goll, der in Karlsruhe wohne, habe dem Vernehmen nach eine Polizeidienststelle informiert. "Ob die Observierung im Auftrag der EnBW geschah, ist offen", schrieb die Zeitung.

Der frühere AKW-Chef Grauf war nach einem heftigen Zerwürfnis mit Vorgesetzten zunächt beurlaubt worden und danach aus dem Unternehmen ausgeschieden. Die EnBW hatte ihn nach eigenen Angaben observieren lassen, um "vorzusorgen", dass von ihm "keine gegen das Unternehmen gerichteten Handlungen initiiert oder ausgeführt werden". Das Detektivunternehmen sollte sich "ein Bild von den externen Bewegungen und Kontakten" Graufs verschaffen. Solche Prävention sei "in diesem Fall geboten" erschienen und entspreche "üblichem Vorgehen bei entsprechenden Befürchtungen", betonte der Leiter der EnBW-Unternehmenskommunikation, Hermann Schierwater.

Das Detektivunternehmen sei "in Abstimmung mit der Geschäftsleitung der Kraftwerksgesellschaft durch den EnBW-Sicherheitsdienst ausgewählt" worden, hieß es weiter. Es habe seine geplante Tätigkeit vorab der örtlichen Polizei offiziell zur Kenntnis gegeben. Im Ergebnis seien keine Besonderheiten im Verhalten von Grauf festgestellt wollten. EnBW-Chef Utz Claassen sei "in keiner Weise in diese Vorgänge eingebunden" gewesen, betonte Schierwater.

Claassen hatte nach seinem Amtsantritt am 1. Mai 2003 Goll vorgeworfen, die finanzielle Lage von EnBW beschönigt dargestellt zu haben.

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