AKW-Abschaltung

EnBW und RWE wehren sich gegen "Trickserei"-Vorwürfe

EnBW und RWE Power wehren sich gegen die Kritik der Grünen an der verzögerten Abschaltung ihrer Atomkraftwerke. Sprecher beider Unternehmen wiesen die Vorwürfe zurück, die Konzerne wollten die Stilllegung ihrer Reaktoren mit den Wartungsarbeiten über die Bundestagswahl im Herbst 2009 künstlich hinauszögern.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe/Essen/Biblis (ddp/sm) - EnBW-Sprecher Dirk Ommeln sagte auf ddp-Anfrage, die seit 13. Oktober andauernde umfangreiche Revision des baden-württembergischen Reaktors Neckarwestheim I sei "betriebsnotwendig und nicht politisch motiviert". Auch ein Sprecher von RWE Power sagte, man habe bereits im Juli erklärt, den Meiler Biblis A in Hessen für eine mehrmonatige Revision vom Netz nehmen zu wollen.

Nach Ansicht der Grünen-Bundestagsfraktion spekulieren beide AKW-Betreiber auf einen Richtungswechsel der nächsten Bundesregierung in der Atompolitik. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hatte am Wochenende von "miesen Tricks der Atomlobby" gesprochen. Im Sommer hatte ein RWE-Sprecher erklärt, der Konzern hoffe nach der Bundestagswahl 2009 auf ein günstigeres politisches Klima für Atomkraft in Deutschland.

Die EnBW rechnet nach Angaben ihres Sprechers damit, dass der Block I von Neckarwestheim "Anfang 2010 noch am Netz ist". Ein "Grenzdatum" für die Abschaltung gebe es im Moment nicht. Die Anlage ging 1976 in Betrieb.

Biblis A wurde 1974 in Betrieb genommen und im Februar 2008 nach eineinhalb Jahren Stillstand wieder angefahren. Bei RWE Power sind nach Angaben des Unternehmenssprechers noch zwei Verfahren zur Strommengenübertragung vor Gerichten anhängig. Damit will der Konzern klären, ob er Reststrommengen aus dem nie in Betrieb genommenen rheinland-pfälzischen AKW Mülheim-Kärlich sowie aus dem AKW Lingen im Emsland auf den Meiler Biblis A übertragen darf. Eine solche Übertragung von jüngeren Kraftwerken auf ältere Meiler muss vom Bundesumweltministerium genehmigt werden.

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