Werksleiter entlassen

EnBW: Harter Kurs nach Reaktor-Zwischenfall

Einen "Null Fehler/Null-Toleranz"-Kurs hat EnBW-Chef Utz Claassen im Hinblick auf Abläufe und Kommunikationsverhalten in den Kernkraftwerken des baden-württembergischen Energieversorgers angekündigt. Während der technische Geschäftsführer des GKN abgelöst wurde, wurde ein neues Vorkommnis bekannt.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Karlsruhe (red) - Der technische Geschäftsführer des Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN) wird aufgrund von verschiedenen Vorkommnissen im Kraftwerk abgelöst. Das gaben EnBW-Vorstandschef Dr. Utz Claassen und Technikvorstand Dr. Thomas Hartkopf Ende letzter Woche bekann.

"Ab sofort werden wir nicht nur - wie bisher - das Ziel größtmöglicher Sicherheit in unseren Kernkraftwerken verfolgen, sondern zudem eine kompromißlose Null-Fehler/Null-Toleranz-Politik betreiben. Wir werden uns von jedem Verantwortlichen trennen, der bei den Abläufen und im Kommunikationsverhalten seiner Verantwortung nicht gerecht wird", kommentierte Claassen die Vorgänge.

Vertiefende Recherchen zum meldepflichtigen Ereignis im Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN), in dessen Folge eine geringe Menge leicht radioaktiv kontaminiertes Wasser in den Neckar gelangte und das zu einer intensiven politischen Auseinandersetzung über die Effektivität der Atomaufsicht in Baden-Württemberg führte, haben indes offengelegt, dass ebenfalls flüssige, ölhaltige Abfälle in der Maschinenhausentwässerung des Kraftwerks durch dieses Wasser leicht kontaminiert wurden. Das ergab eine radiologische Auswertung einer Rückstellprobe.

Die flüssigen Abfälle wurden bereits mittels eines LKW zur Entsorgung abtransportiert. Die kontaminierte Menge betrug knapp zwei Megabecquerel und sei damit äußerst gering gewesen. Da die Schleusenmessung keine Messwerte oberhalb der natürlichen Aktivität ergab, war beim Abfahren der flüssigen Abfälle die nun festgestellte Kontamination nicht ersichtlich. Das Umweltministerium Baden-Württemberg und die beteiligten Unternehmen seien informiert und die Entsorgung gestoppt, teilte die EnBW mit. Zur Zeit werde geprüft, ob über dem bis jetzt beschrittenen Entsorgungsweg unerkannt geringfügige Mengen an Radioaktivität in die Umwelt gelangt sind.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Frankreich

    AKW Fessenheim: Entschädigungssumme für Schließung steht fest

    Weil das Atomkraftwerk Fessenheim stillgelegt werden soll, wird Betreiber EDF von der französischen Regierung entschädigt. Nun steht die Entschädigungssumme fest, der Zeitpunkt der Schließung aber noch nicht.

  • Ökostrom

    Stilllegung Biblis: Merkel muss als Zeugin aussagen

    Das AKW Biblis wurde im Zuge des bundesweiten Atom-Moratoriums im März 2011 stillgelegt. Dafür will der Energiekonzern RWE Millionen Euro an Schadensersatz. Doch wer genau muss dafür zur Verantwortung gezogen werden: Bund oder Land? Angela Merkel wird nun als Zeugin vor Gericht gebeten.

  • Stromnetz Ausbau

    EnBW modernisiert konventionelle Kraftwerke

    Der Energiekonzern EnBW will im Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe sowie bei Kraftwerksblöcken in Marbach am Neckar und Walheim bei Ludwigsburg die Leistung um insgesamt fast 380 Megawatt erhöhen. Damit soll die Leistung des AKWs Obrigheim, das im Mai 2005 abgeschaltet wird, mittelfristig ersetzt werden.

  • Strompreise

    Grüne fordern personelle Konsequenzen in der Landes-Atomaufsicht

    Die Landesregierung müsse nach den wiederholten Pannen in Atomkraftwerken (AKW), bei denen unkontrolliert Radioaktivität frei wurde, ihre Atomaufsicht "vom Kopf auf die Füße stellen", forderte der Fraktionschef der baden-württembergischen Grünen Winfried Kretschmann.

  • Hochspannungsleitung

    AKW soll für Freisetzung von Radioaktivität Buße zahlen

    Der baden-württembergische Umweltminister Stefan Mappus (CDU), der ebenfalls Leiter der Atomaufsicht seines Landes ist, will in punkto Kraftwerkssicherheit ein "Signal" setzen und die Verantwortlichen einer Störung im AKW Neckarwestheim rechtlich belangen. Er kritisierte insbesondere die Informationspolitik.

Top