Standpunkt

EnBW fordert Chancengleichheit und Fairness beim Emissionshandel

Aufgrund ihres derzeit noch hohen Anteils der Kernenergie am Energiemix befürchtet die EnBW eine dramatische Benachteiligung beim Emissionshandel. Grund: Im Vergleich zu Kohlekraftwerken sollen Kernkraftwerke mit erheblich weniger Emissionszertifikaten ausgestattet werden.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Karlsruhe (red) - Mit "wachsender Sorge" verfolgt der Karlsruher Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG den derzeitigen Stillstand bei den Verhandlungen zur Ausprägung des Emissionsrechtehandels in Deutschland. Gerade im Hinblick auf die ökologische und ökonomische Tragweite der nun festzusetzenden Regelungen sollten alle Möglichkeiten zu einer aktiven Mitgestaltung mit Nachdruck und Engagement weiterverfolgt werden.

"Wir bedauern die Aussetzung der Gespräche zwischen der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung insbesondere deshalb, weil wir der festen Überzeugung sind, dass eine vernünftige und akzeptable Lösung durchaus erreichbar ist", teilte das Unternehmen am Freitag in Karlsruhe mit. Im Übrigen gebe es keine Alternative zu Verhandlungen. Der Emissionshandel ist – so die EnBW – ein im Grundsatz positives und zu begrüßendes Instrument.

Gleichzeitig befürchtet die EnBW wegen ihres derzeit noch hohen Anteils der Kernenergie im Energiemix eine "dramatische Benachteiligung im Vergleich zu Wettbewerbern". Im Vergleich zu Kohlekraftwerken sollen Kernkraftwerke mit erheblich weniger Emissionszertifikaten ausgestattet werden. Problematisch sei zudem, dass Kernkraftwerksbetreiber beim Ersatz von stillzulegenden Kernkraftwerken durch konventionelle Bestandskraftwerke keine Zertifikate erhalten, die diese Mehremissionen abdeckten.

Die EnBW fürchtet, dass damit die Betreiber von Kernkraftwerken durch die vereinbarungsgemäße Umsetzung des Kernenergieausstiegs im Wettbewerb erheblich benachteiligt werden. Beim Neubau eines einzigen Gaskraftwerkes könnten Kernenergiebetreiber um einige hundert Millionen Euro schlechter gestellt sein als etwa Braunkohlekraftwerksbetreiber, die für den Umstieg auf Gas mit erheblich mehr Zertifikaten "belohnt" würden.

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