Interview

EnBW-Chef im Tagesspiegel: Verbändevereinbarungen sind Betrug

In der heutigen Ausgabe der Berliner Tageszeitung "Tagesspiegel" kritisert der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Gerhard Goll, seine Branchenkollegen auf das heftigste. Sie wüssten zwar, dass die Liberalisierung, nicht aber Wettbewerb ausgerufen worden ist und hätten die Verbraucher mit den Verbändevereinbarungen betrogen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Vorstandsvorsitzende des drittgrößten deutschen Stromkonzerns EnBW, Gerhard Goll, hat seine Branchenkollegen in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel scharf kritisiert. Obwohl Industrieunternehmen und Verbraucherverbände längst erkannt hätten, dass "sie mit den Verbändevereinbarungen" betrogen worden sind, würden sich die Energieversorger nach wie vor wettbewerbswidrig verhalten. Dies sei auch der Grund dafür, dass bislang so wenig Kunden ihren Stromlieferanten gewechselt haben.

"Es gibt Kollegen in der Energiebranche, die glauben, dass zwar die Liberalisierung, nicht aber der Wettbewerb ausgerufen worden ist", charakterisierte der Chef der EnBW, dessen Tochterunternehmen Yello die Nummer eins unter den neuen Anbietern ist, die ehemaligen Monopolunternehmen. Er zeigte sich überzeugt davon, dass ehemalige Monopolisten nur mit staatlicher Aufsicht zu Wettbewerbern werden können. Die neuen Aufgaben sollten seiner Meinung nach entweder Bundeskartellamt oder Wirtschaftsministerium übernehmen, dan "wächst kein bürokratischer Wasserkopf".

Auf den ehemaligen Wirtschaftsminister Werner Müller, der zunächst die Fusion von E.ON und Ruhrgas genehmigt hat und jetzt Vorstandschef des Bergbauunternehmenes RAG wird, bei dem E.ON Großaktionär ist, ließ Goll hingegen nichts kommen: "Müller würde ganz unabhängig die Interessen der RAG wahrnehmen".

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