Ermittlungen eingeleitet

EnBW-Chef Classen im Visier der Staatsanwaltschaft / Konzern: "Verdacht haltlos"

Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt wegen Verdachts einer "unrichtigen Darstellung" von Unternehmensbilanzen im Jahr 2003 offensichtlich auch gegen den derzeitigen EnBW-Chef Utz Claassen. Der Konzern wollte den Bericht nicht weiter kommentieren, nannte die Vorwürfe jedoch "haltlos und unbegründet".

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Mannheim (ddp/sm) - Im Zusammenhang mit möglichen Bilanzfälschungen beim Energiekonzerns EnBW ermittelt die Staatsanwaltschaft Mannheim nun auch gegen den derzeitigen Konzern-Chef Utz Claassen. Ein Sprecher der Behörde bestätigte am Donnerstag auf ddp-Anfrage einen entsprechenden Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstagausgabe).

Der Energieversorger bezeichnete indes den Verdacht als "in jeglicher Hinsicht haltlos und unbegründet". Die entsprechenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft basierten auf falschen Annahmen. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft richteten sich ursprünglich vorallem gegen den früheren EnBW-Vorstandsvorsitzende Gerhard Goll.

Gegen Claassen werde wegen des Verdachts einer "unrichtigen Darstellung" von Unternehmensbilanzen im Jahr 2003 ermittelt, sagte der Behörden-Sprecher. Durchsuchungen habe es bislang nicht gegeben. Das Unternehmen habe sich kooperativ verhalten und "Unterlagen herausgegeben".

Auslöser sei das laufende Ermittlungsverfahren gegen mehrere andere Verantwortliche des EnBW-Konzerns, das ebenfalls wegen eines Anfangsverdachts auf falsche Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse geführt wird, sagte der Sprecher. Beschuldigter dabei sei unter anderen der frühere EnBW-Vorstandsvorsitzende Goll. Im Rahmen dieses Verfahrens habe sich nun ein "Anfangsverdacht bezüglich des Geschäftsjahres 2003 gegen Claassen" ergeben, ohne jedoch Details zu nennen.

Dem Zeitungsbericht zufolge untersuchen die Ermittler Wertberichtungen in der Bilanz, die Claassen bei seinem Amtsantritt im Mai 2003 bei Deutschlands viertgrößtem Energieversorger vorgenommen hatte. Claassen habe damals den Wert von Beteiligungen, die unter seinem Vorgänger Goll erworben worden seien, massiv nach unten korrigiert. So sei beispielsweise die Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf in der Halbjahresbilanz 2003, die einen Verlust von knapp einer Milliarde Euro aufwies, um 208 Millionen Euro abgewertet worden.

Claassen hatte Goll indirekt vorgeworfen, die Unternehmensbilanzen geschönt zu haben. Er sprach öffentlich von "konstruktiver Ergebnisgestaltung". Durch diese sei die reale Ertragslage des Unternehmens verschleiert worden. Goll geriet in den Verdacht der Bilanzfälschung. Aufgrund einer Strafanzeige leitete die Mannheimer Staatsanwaltschaft Ende 2003 ein Verfahren gegen ihn ein. Dem Bericht nach konnte Goll aber inzwischen die zuständige Staatsanwältin überzeugen, dass nicht er, sondern möglicherweise Claassen die Unternehmensbilanzen des viertgrößten deutschen Energiekonzerns verfälscht hat.

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