Auf der Hauptversammlung

EnBW-Chef Claassen weist Vorwürfe wegen Bilanzfälschung zurück

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Bilanzfälschung entschieden zurück. "An den Vorwürfen ist nichts, aber auch gar nichts dran", sagte Claassen am Freitag auf der Hauptversammlung des drittgrößten deutschen Energiekonzerns in Karlsruhe.

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Karlsruhe (ddp/sm) - Claassen reagierte damit auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim gegen ihn wegen des Verdachts der falschen Darstellung von Unternehmensbilanzen im Jahr 2003. Claassen soll Medienberichten zufolge den Wert der unter seinem Vorgänger Gerhard Goll erworbenen Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf in der Halbjahresbilanz 2003 um 208 Millionen Euro nach unten korrigiert haben. "Wir haben die Dinge nicht schlecht gerechnet oder schön gerechnet, sondern sachneutral bewertet", betonte Claassen. Eine "Nicht-Wertberichtigung" hätte dem Erkenntnisstand widersprochen.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien daher nicht nur "in der Sache unzutreffend", sondern richteten sich auch gegen "die falsche Person". Er selbst sei persönlich von der Staatsanwaltschaft auch noch nicht über die Einleitung der Ermittlungen informiert worden. Dies sei nur über das Unternehmen EnBW geschehen, sagte Claassen.

Claassen wies zudem Medienberichte über die Höhe seines Gehalts als "zum Teil verzerrend und irreführend" zurück. "Die Entscheidung, die individualisierten Vorstandsbezüge auszuweisen, war meine Idee, meine Initiative", betonte der EnBW-Chef. Sein Gesamtgehalt, das Medienberichten zufolge für das Geschäftsjahr 2004 bei 4,2 Millionen Euro lag, war im Vorfeld der Hauptversammlung heftig kritisiert worden. Claassen sagte, die EnBW-Vorstandsgehälter lägen im Vergleich mit DAX-Unternehmen "im unteren Durchschnitt".

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