Transparenz

EnBW bestellt unabhängige Nuklear-Sachverständige

Aufgrund der Vorfälle im EnBW-Kernkraftwerk Philippsburg hat das Unternehmen nun die angekündigten unabhängigen Nukleare Sachverständigten vorgestellt. Sie sollen die Vorgänge untersuchen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Der Vorstand der EnBW hat für die Rolle des "nuklearen Sonderbeauftragten" eine Gruppe international ausgewiesener Fachleute zusammengestellt, die – zeitlich versetzt – in Kürze ihre Funktion übernehmen werden.

Bereits in den nächsten Tagen wird der Schweizer Hans Wilhelm seine Arbeit aufnehmen. Er ist Mitglied der Eidgenössischen Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen und Leiter des Ausschusses "Personal und Organisation". Als Betriebsleiter im Kernkraftwerk Leibstadt von 1993 bis 1999 hat er vielfältige Erfahrungen gesammelt. Er gilt als unerbittlicher Verfechter einer absoluten Priorität der Sicherheitsaspekte und wirkt auch bei Projekten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Wien, mit. Ab Februar 2002 steht ergänzend der Schweizer Wolfgang Jeschki, derzeit Direktor der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen in der Schweiz (staatliche Aufsicht) zur Verfügung. Wolfgang Jeschki hat sich besonders Themen des Reglements im Sinne der Eindeutigkeit und Klarheit angenommen und hierbei beachtliche Erfolge erzielt.

Ergänzt wird das Team durch den Schweden Jan Nistad, der in führender Stellung in der Schwedischen Atomaufsicht gearbeitet hat, für die Schwedische Regierung Projekte Nuklearer Sicherheit in den Ländern der früheren Sowjetunion begleitet hat und heute für Projekte der EU tätig ist. Die neutralen Gutachter sollen alle sicherheitsrelevanten Vorgänge in den Kernenergieanlagen der EnBW untersuchen und Konsequenzen für das künftige Handeln aufzeigen. Sie werden Zugang zu allen Daten erhalten und handeln unabhängig von Weisungen der EnBW. Die Nuklear-Sachverständigen sind beauftragt, ihre Erkenntnisse ohne Einschränkungen den Aufsichtsbehörden, der Öffentlichkeit und der EnBW vorzulegen.

Vorstandsvorsitzender Gerhard Goll kündigte an, dass er die staatlichen Behörden bitten werde, eine sog. OSART-Mission (Operational Safety Review Team) der IAEA für Philippsburg durchzuführen. "In den Kernenergie betreibenden Staaten ist es üblich, dass die internationale Organisation IAEA mit einer gewissen Regelmäßigkeit solche Missionen durchführt. In Deutschland ist das offenbar seit einem Jahrzehnt nicht mehr geschehen. Wir aber wollen sicher sein, alles Denkbare für die Sicherheit getan zu haben", betonte Gerhard Goll.

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