EnBW: Auch 1999 erfolgreich im Wettbewerb

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Im zweiten Jahr des Strom-Wettbewerbs in Deutschland, 1999, hat die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ein um 92 Millionen Mark geringeres Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwirtschaftet als 1997, dem letzten Jahr des Monopols (1.088,6 Millionen Mark gegenüber 1.180,9 Millionen Mark). Das Jahr 1998 war demgegenüber durch Sonderfaktoren gekennzeichnet - insbesondere dem Kauf eigener Aktien und die dafür zu bildende besondere Gewinnrücklage in Höhe von 615 Millionen Mark - es ist deshalb insoweit für einen Vergleich mit 1999 ungeeignet. "Dass es uns 1999 gelungen ist, ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auszuweisen, das mit dem der früheren Jahre Schritt halten kann, macht uns angesichts der eingetretenen Entwicklung im Strommarkt mehr als zufrieden", stellte Gerhard Goll, Vorstandsvorsitzender der EnBW, auf der EnBW Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Karlsruhe fest. Diese Zufriedenheit, so Goll, "täuscht uns freilich nicht darüber hinweg, dass sich die Ertragslage im Geschäftsfeld Energie deutlich verschlechtert hat und sich diese Tendenz 2000 verstärkt fortsetzen wird."


Wie aus dem EnBW Geschäftsbericht 1999 hervorgeht, konnte der EnBW Konzern im Vorjahr seinen Stromverkauf zwar mengenmäßig deutlich steigern (auf 54,75 TW/h oder um 6,8 Prozent). Und diese Entwicklung wird sich 2000 noch verstärken (verkaufte Strommenge lag im 1. Quartal 2000 mit 18,6 TW/h erheblich über Plan). Aber die vom Markt erzwungenen Preisnachlässe würden ihre volle Wirkung erst im Jahr 2000 zeigen, obwohl sie sich bereits 1999 so nachhaltig auswirkten, dass trotz der Strommengensteigerung die Umsatzerlöse nicht ganz gehalten werden konnten (6.981 Millionen Mark gegenüber 7.488 Millionen Mark - ohne Stromsteuer). Hinzu kommen Mehraufwendungen für die Gewinnung neuer Privatkunden, die - je nach Durchleitungssituation - bei 700 - 1000 Mark pro Kunde lägen, freilich mit sinkender Tendenz und zu erwartenden Mehreinnahmen durch Erweiterung des Spektrums unserer Privatkundenmarktes. "Diese Situation ist für uns keine Überraschung, sondern erwartet und prognostiziert. Um so wichtiger ist der Ausbau der Marktposition der EnBW in Deutschland und Europa. Hier sind wir im Jahre 1999 sehr erfolgreich gewesen. Unser Konzept stimmt; deshalb werden wir daran weiterbauen", sagte Goll.


Dieses Konzept fußt auf mehreren Säulen, in deren Mittelpunkt stets der endverbrauchende Kunde steht: Im Privatkundenbereich verfolge die EnBW eine Markenstrategie, die neben dem Produkt Strom zunehmend weitere Bedürfnisse der Privatkunden abdecken wird. Während die Marke "Garant" eine Strommarke in Baden Württemberg bleiben wird, öffne sich die überregionale Marke "Yello" in der Zukunft für weitere Angebote in den Feldern Lifestyle und Kommunikation. Hierzu zählt auch die Marke Salamander, die - vom Schuh kommend - nach Überzeugung Golls "mehr kann als nur Schuh." Für die Dienstleistung an Privatkunden wurde - durch die Salamander AG - die Parkhausgesellschaft APCOA erworben. Im Industriegeschäft würde Energiekompetenz und Bonität geboten. "Dass wir mit einigen Industriebeteiligungen auch im Rahmen unserer Möglichkeiten industrielle Entwicklungen unterstützen, erhöht unsere Bonität beim Industriekunden", ist die Erfahrung von Goll. Insbesondere aber die Beteiligungen an Serviceunternehmen für die Industrie (unter anderem die jüngste Akquisition "Regelmatic GmbH") runden unser Energieangebot beim Industriekunden ab. Entscheidend für das Geschäft sei freilich die persönliche Präsenz der EnBW vor Ort, die durch Vertriebsniederlassungen in allen Ballungsräumen Deutschlands und in allen wichtigen EU-Staaten gewährleistet sowie durch Partnerschaften, auch mit Stadtwerken, weiter ausgebaut würde.


"Die EnBW wird weiter wachsen." Allein der Stromabsatz konnte innerhalb von zwei Jahren von 48,6 auf 54,7 TW/h - also um mehr als 12 Prozent - gesteigert werden. Die Konzern-Bilanzsumme stieg von 20.044,4 Millionen Mark in 1997 auf 22.271,8 Millionen Mark in 1999. Im Jahre 2000 wird das Wachstum bestimmt sein durch die Vollkonsolidierung der Salamander AG und den Abschluss eines Kooperations- und Beherrschungsvertrages mit der NWS AG. "Nach der Konsolidierung mit NWS werden wir rund 3,5 Millionen Kunden haben, - mit zunehmender Tendenz." Die EnBW wird ihre Eigenständigkeit trotz der Partnerschaft mit der EDF nicht verlieren - im Gegenteil: wegen dieser Partnerschaft erhalten. "Die Eigenständigkeit der EnBW ist für die EDF ein Wert an sich - und die EdF weiß das auch", erklärte Goll dazu. Im übrigen sei die Neuordnung der Eigentümerstruktur der EnBW noch nicht abgeschlossen und lässt - neben einem Börsengang - auch die Beteiligung weiterer Partnerunternehmen außerhalb des Strombereichs zu.

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