Standpunkt

Emissionshandel: VIK kritisiert Bevorzugung von Erdgas

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) befürchtet eine Verschlechterung sowie Verteuerung des deutschen Energie-Mixes zu Lasten der Energieverbraucher. Grund ist die einseitige Bevorzugung von Erdgas, obwohl ein breiter Energie-Mix die beste Garantie für eine nachhaltige Energieversorgung sei.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (red) - Trotz des Kompromisses zwischen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Umweltminister Jürgen Trittin in puncto Emissionshandel bleibe die Energieträger Braun- und Steinkohle gegenüber dem Erdgas benachteiligt. Aus diesem Grund erwartet der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) eine Verschlechterung sowie Verteuerung des deutschen Energie-Mixes zu Lasten der Energieverbraucher.

Zwar sei die für Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle zugestandene Zahl der Kohlendioxid-Emissionsrechte höher als die für Erdgas, weil bei Verstromung ein auf den Brennstoff bezogener spezifischer Benchmark akzeptiert werde. Bei allen Kohle-Verbrennungsprozessen, die nicht der reinen Stromerzeugung dienten, also z. B. für Wärmeerzeugung, werde jedoch weiterhin allein auf Gas als Benchmark gesetzt, so dass Kohlendioxid-Zertifikate dazugekauft werden müssten. Damit gehe zwangsläufig eine Verteuerung der industriellen Wärmeerzeugung aus Kohle einher, moniert der Verband.

Auch die Kompromissformel des - nur teilweise - Brennstoff spezifischen Benchmarks bei der Stromerzeugung habe bisher verhüllt, dass in jedem Fall nur maximal 750 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde an Rechten zugeteilt würden. Da die Steinkohle aber knapp 800 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde und die Braunkohle mit bis zu 1000 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde deutlich mehr benötige, sei auch bei der Stromproduktion weiterhin mit einer einseitigen Bevorzugung des Erdgases und mit entsprechenden Kosten­steigerungen zu rechnen.

Erdgas sei zwar unter Kohlendioxid-Gesichtspunkten günstiger als Kohle zu beurteilen, bei einer gesamtwirtschaftlichen und -politischen Abwägung sei dies als Argument für eine einseitige Ausrichtung auf Erdgas aber inakzeptabel, erläutert der VIK seinen Standpunkt. Vielmehr sei aus außen- und energiepolitischen Gründen der Versorgungssicherheit ein breiter Energie-Mix die beste Garantie für eine nachhaltige, ausgewogene, kostengünstige und wettbewerbsfähige Energieversorgung Deutschlands.

Der in den Details des Nationalen Allokationsplans immer noch dominierende Klimaschutz stehe in sehr unausgewogenem Verhältnis zu den damit verbundenen Versorgungsrisiken für das in hohem Maße auf Energieimporte angewiesene Deutschland, schließt der VIK seine Betrachtungen ab. Erforderlich sei ein echter und umfassender Brennstoff spezifischer Benchmark, der weder zu Vorteilen für das Erdgas noch zu Nachteilen für die Stein- und Braunkohle beim Emissionshandel führe.

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