Skepsis

Elektromobilität: Es muss noch viel passieren

Der BEE fordert einen höheren Anteil erneuerbarer Energien für Elektromobilität. Doch bis dieses Vorhaben umgesetzt werden kann, müssen Marktchancen analysiert und neue Mobilitätskonzepte erstellt werden. Denn noch zeigen sich die meisten Autofahrer sehr skeptisch.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hamburg (red) - Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht in der Elektromobilität große Chancen für eine zukunftsweisende und nachhaltige Energieversorgung im Verkehrssektor, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien kombiniert wird. Elektrofahrzeuge könnten mit Hilfe ihrer Batterien als Speicher für temporäre Überschüsse bei der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie fungieren und so die Integration der erneuerbaren Energien im Stromsektor erleichtern. Der "Treibstoff" für Elektrofahrzeuge stamme bereits heute zu 16 Prozent aus erneuerbaren Energien. 2020 werden es nach der Ausbauprognose der Erneuerbare-Energien-Branche 47 Prozent sein.

Das Elektroauto als Energiespeicher

Die Bundesregierung will bis zum Jahre 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen. Diese könnten eine kumulierte Speicherleistung von rund 10.000 MW zur Verfügung stellen. Damit würden Elektrofahrzeuge merklich dazu beitragen, fluktuierende erneuerbare Energien ins Stromversorgungssystem zu integrieren. Aufgrund der hohen Effizienz von Elektroantrieben führe selbst eine große Zahl von Elektrofahrzeugen nur zu einem geringen Anstieg der Stromnachfrage. Eine Million Elektroautos verbrauchten pro Jahr gerade einmal die Stromproduktion von 500 modernen Windkraftanlagen, von denen deutschlandweit schon über 21.000 Anlagen installiert seien, so der Hinweis des Verbands.

Elektroauto hat bisher nur begrenzte Marktchancen

Laut einer Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers im April, an der gut 500 Autofahrer beteiligt waren, hat das Elektroauto auf absehbare Zeit allerdings nur begrenzte Marktchancen. Denn gut 60 Prozent der Verbraucher würden erst dann einen Pkw mit rein oder zumindest überwiegend elektrischem Antrieb kaufen, wenn dieser zu einem vertretbaren Preis die vom Verbrennungsmotor gewohnten Fahrleistungen bringt. Neue Mobilitätskonzepte wären nach Aussagen der Experten eine Lösung, um die Möglichkeiten der E-Technologien mit den Bedürfnissen der Verbraucher in Einklang zu bringen. Ein Ausbau der Ladestationen etwa, innovative Car-Sharing-Modelle und eine erhöhte Kapazität der Batterien und eine damit einhergehende Vergrößerung der Reichweite wären derartige Entwicklungen, die die Markfähigkeit von Elektroautos steigern könnten.

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