Preissteigerungen

Einsatz in Afghanistan ist viel teurer als geplant

Einem Magazinbericht zufolge wird der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan rund 900 Millionen Euro mehr kosten als geplant.

Tarife© rkolbabek / iStockphoto.com

Einem Magazinbericht zufolge wird der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan rund 900 Millionen Euro mehr kosten als geplant. Offenbar überstiegen die realen Kosten regelmäßig die Schätzkosten, bei fast allen Einsätzen. Das zusätzlich benötigte Geld muss der Steuerzahler aufbringen.

Absichtlich oder versehentlich verrechnet?

Laut dem Bericht von Handelsblatt Online seien in Afghanistan allein beim ISAF-Einsatz der Bundeswehr in den vergangenen zehn Jahren Mehrkosten von insgesamt fast 900 Millionen Euro aufgelaufen. Nur in den beiden ersten Jahren des Einsatzes, 2002 und 2003, sei das veranschlagte Budget eingehalten worden. Das berichtete das Magazin unter Berufung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion, die von der Bundesregierung entsprechend beantwortet worden sei. In allen Jahren darauf seien die veranschlagten Kosten regelmäßig von der Realität eingeholt worden; teilweise lagen die Mehrkosten sogar in einem einzigen Jahr im dreistelligen Euro-Bereich. Negativer Höhepunkt sei das Jahr 2010 gewesen: In diesem Jahr wurde die Berechnungsgrundlage um eine satte Viertelmillion überzogen, hieß es. Vergleichbare Zahlen lieferte übrigens auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung: 2010 hätten die realen Kosten des Afghanistan-Einsatzes etwa dreimal so hoch gelegen wie von der Bundesregierung angegeben.

Weitere Beispiele für Fehlkalkulationen des Ministeriums

Doch Afghanistan ist nur ein Beispiel unter vielen, wie es scheint. Wenn die Zahlen zutreffen, ist klar, dass die Fehlplanungen erschreckend sind und die wirklichen Kosten der Bundeswehr-Auslandseinsätze viel höher veranschlagt werden müssen. Das Wirtschaftsmagazin berichtet weiter, dass beim Einsatzort Afghanistan zwar die gravierendsten Fehlplanungen vorlägen, doch beileibe nicht die einzigen. Insgesamt hätten alle 44 Auslandseinsätze, die die Bundeswehr seit 1990 durchgeführt hat, 1,4 Milliarden Euro mehr verschlungen als ursprünglich geplant - statt 15,6 Milliarden letztendlich 17 Milliarden. Unter dem amtierenden Minister Thomas de Maizière habe sich der Anstieg der Mehrkosten übrigens noch einmal beschleunigt. Die Linksfraktion indes glaubt an noch höhere reale Kosten, da in der konservativen bisherigen Rechenweise nicht alle Faktoren wie etwa die Behandlung traumatisierter oder anderweitig langfristig versehrter Menschen oder überhaupt gravierende volkswirtschaftliche Kosten berücksichtigt seien.

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