Hohlraum

Einlagerungskammer im Bergwerk Asse beschädigt (Upd.)

Neben dem Abtransport der einsickernden Laugen muss sich der neue Betreiber des Atommülllagers Asse jetzt auch um die Abdichtung einer vom Einsturz bedrohten Kammer kümmern. Laut BfS wurden die Schäden schon Ende des vergangenen Jahres entdeckt.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Wolfenbüttel/Hannover (ddp/sm) - In dem Hohlraum in 750 Metern Tiefe gebe es Schäden, "durch die sich künftig Teile der Decke lösen und auf in der Kammer lagernde schwachradioaktive Abfälle stürzen könnten", sagte am Donnerstag ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Die Behörde beabsichtige deshalb, den Verschluss der Kammer "kurzfristig und vorsorglich" mit Beton zu verstärken.

Weiter gehende sofortige "Gefahrenabwehrmaßnahmen" hält das BfS derzeit nicht für notwendig. Dennoch würden solche Maßnahmen vorsorglich geprüft, um im Falle eines "nicht auszuschließenden" Deckenabsturzes ein Ausbreiten radioaktiv belasteter Stäube in das Grubengebäude und in die Abluft zu verhindern. Mittel- und langfristig will das Bundesamt die beschädigte Kammer so stabilisieren, dass ein Einstürzen bis zur endgültigen Schließung der Asse ausgeschlossen werden kann. Denkbar sei beispielsweise die Verfüllung des Hohlraumes.

Die Schäden in der Einlagerungskammer wurden dem BfS zufolge bei seismischen Messungen Ende des vergangenen Jahres festgestellt. Die Grünen im niedersächsischen Landtag verlangten inzwischen weitere Untersuchungen. Es müsse auch geprüft werden, ob eine Öffnung der betroffenen Kammer möglich sei, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel.

Alle Maßnahmen müssten aber so angelegt werden, dass eine Bergung des Atommülls möglich bleibe, sagte der Grünen-Politiker. Auch das BfS verfolgt nach eigenen Angaben bei allen Maßnahmen das Ziel, dass alle möglichen Optionen für die Stilllegung des Bergwerks Asse erhalten bleiben. Zuletzt hatte das Bundesamt erklärt, eine Variante bei der Schließung sei die Rückholung des Mülls oder eines Teils davon.

Der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann (SPD) appellierte an das BfS, die angekündigten Untersuchungen zur möglichen Rückholung der radioaktiven Abfälle rasch in die Wege zu leiten. Nach der schnellen Einrichtung des Informationszentrums erwarte er vom neuen Betreiber auch weiterhin "ein gründliches und zügiges Handeln", sagte Röhmann.

Unterdessen hat das BfS Stellung zu den Vorwürfen bezogen, es habe die Öffentlichkeit und das niedersächsische Umweltministerium nicht rechtzeitig über die einsturzbedrohte Kammer informiert. Die Vorwürfe seien unbegründet, man habe das Umweltministerium bereits am 3. Dezember in Kenntnis gesetzt. Am 7. Januar habe ein Fachgespräch stattgefunden; erst dann sei eine "belastbare Einschätzung der Situation" möglich gewesen. Das BfS war unter anderem dafür kritisiert worden, dass die Öffentlichkeit lediglich über eine Meldung auf der Internetseite informiert worden war.

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