Netzanschluss fehlt

Ein Windpark, der mit Diesel betrieben wird

Manch einer wird an einen Schildbürgerstreich denken, doch es ist Realität: Da die 30 Windräder des gerade eröffneten Windparks bei Borkum noch keinen Anschluss ans Stromnetz haben, werden sie bis auf Weiteres mit Diesel betrieben. Laufen müssen sie, sonst würden die Rotorblätter in der Seeluft verrosten.

erneuerbare Energien© F. Schmidt / Fotolia.com

Norddeich (dpa/red) - Der erste kommerzielle Offshore-Windpark nördlich von Borkum ist am Samstag eröffnet worden, in Betrieb ging er allerdings noch nicht. Da der Windpark Riffgat noch nicht ans Stromnetz angeschlossen ist, kann er erst im Februar 2014 Strom liefern. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach gleichwohl von einem Pionierprojekt für Zukunftstechnologien. Die 30 Windkraftanlagen sind 150 Meter hoch und haben eine Leistung von 108 Megawatt. Nach Angaben des Oldenburger Energieversorgers EWE können sie bis zu 120 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Was fehlt, ist der Netzanschluss

EWE-Vorstandsvorsitzender Werner Brinker zeigte sich enttäuscht über die bisher fehlende Anbindung durch den Netzbetreiber Tennet. Die eigentlichen Schwierigkeiten bei Offshore-Windparks lägen nicht auf See, sondern bei einem pünktlichen Netzanschluss, sagte Brinker. Verzögert worden sei der Netzanschluss durch Bombenfunde aus dem Zweiten Weltkrieg, die zunächst entschärft werden müssen. Allerdings hielt Brinker diese Verzögerung nach eigenen Angaben für vermeidbar.

Bisher liefern überhaupt erst zwei Windparks in der Nordsee Strom. Seit 2010 ist der kleine Testpark alpha ventus mit zwölf Anlagen in Betrieb. Daran ist ebenfalls EWE mit weiteren Partnern beteiligt. Die bisherige Stromausbeute übertreffe die Erwartungen dieses Projektes, sagte Brinker.

Die Situation ist nicht einfach

Noch weiter draußen auf See drehen inzwischen 70 von geplanten 80 Anlagen des Windparks Bard Offshore 1 ihre Runden. Endgültig soll dieses Großprojekt im September fertig sein. Es liefert derzeit mit rund 75 Prozent den Hauptanteil des in Deutschland produzierten Offshore-Stroms. Dem Offshore-Pionier Bard fehlen allerdings Folgeaufträge, Produktionsstandorte in Cuxhaven und Emden mussten bereits schließen. Die schwierige Lage der Offshore-Branche zeigte sich auch im Oktober 2012, als der Windkraft-Zulieferer Siag Nordseewerke in Emden Insolvenz anmelden musste.

Quelle: DPA

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