Studie

Ein Kilo Rindfleisch ist so klimaschädlich wie 1600 Autokilometer

Eine aktuelle Studie aus Österreich und den Niederlanden zeigt, dass die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien mit 335 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) genauso viel Treibhausgase erzeugt wie eine Fahrt von über 1600 Kilometern eines durchschnittlichen europäischen PKW.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Wien (red) - Rindfleisch aus den Niederlanden, also aus einem Nachbarland Deutschlands, kommt immerhin auf 22 Kilogramm CO2 oder umgerechnet 111 Autokilometer.

Kurt Schmidinger von der Universität Wien sowie Elke Stehfest von der PBL Netherlands Environmental Assessment Agency entwickelten gemeinsam eine grundlegende Erweiterung der Klimabilanz von Lebensmitteln, der weltweit gängigen Life Cycle Assessment-Methode, kurz LCA. Diese wurde dieser Tage im International Journal of Life Cycle Assessment online veröffentlicht.

Neue Art der Berechnung einer Klimabilanz

Die wesentliche Neuerung bei dieser Berechnung ist, dass zusätzlich zu den Emissionen aus der Produktion der Lebensmittel nun auch der Flächenverbrauch der Produktion mit eingeht. Der Flächenverbrauch, bisher in der Bilanz ignoriert, spielt in der Realität fürs Klima eine zentrale Rolle. Ein großer Bedarf an Flächen verhindert, dass auf diesen natürliche Wälder und Sträucher nachwachsen können, die wiederum durch ihr Wachstum CO2 wie ein Schwamm aus der Atmosphäre aufnehmen und damit das Weltklima entlasten.

Mit der nun publizierten Erweiterung für LCAs geht der Flächenbedarf als "verabsäumte potentielle CO2-Senke" in die Bilanz mit ein und wird zu den Emissionen aus der Produktion dazugerechnet.

Pflanzliche Lebensmittel schneiden am besten ab

Unter den Tierprodukten schneidet in der Studie das Kilogramm niederländisches Hühnerfleisch mit 6,2 Kilogramm CO2 oder 31 Autokilometern am besten ab. Der Autor, Geophysiker und Lebensmittelwissenschaftler Kurt Schmidinger, warnt aber vor Fehlschlüssen: "Die industrielle Tierhaltung ist eine Sackgasse, auch wenn sie in der Klimabilanz manchmal besser abschneidet als die Weidehaltung. Ein Umstieg von Weidehaltung auf industrielle Tierhaltung würde den Druck auf die Ackerflächen weiter enorm steigern, mit Konsequenzen für die Welternährungssituation. Auch unter Gesichtspunkten wie globalen Seuchen, Antibiotikaresistenzen, Tierschutz, Biodiversität, Wasserverschmutzung, Bodenerosion und vielen anderen ist die industrielle Tierhaltung sehr problematisch. Pflanzliche Lebensmittel hingegen schneiden unter Einbeziehung aller ethischen Aspekte der Welternährung tatsächlich wesentlich besser ab als Tierprodukte".

Eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel zeigen in der neuen Studie auch die mit Abstand besten Klimawerte: Die Produktion von einem Kilogramm Tofu bzw. Tempeh erzeugt 3,8 bzw. 2,4 Kilogramm CO2, das sind umgerechnet 19 bzw. 12 gefahrene Autokilometer.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Industrie dringt auf rasche Verabschiedung von CCS-Gesetz

    Die deutsche Industrie hat den Bundestag aufgefordert, eine Verabschiedung des Gesetzes zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg zu bringen.

  • Strom sparen

    Zeitung: Deutschland hat Kyoto-Ziel schon erreicht

    Vier Jahre vor dem Stichtag hat die Bundesrepublik ihre Vorgaben für den Klimaschutz bereits mehr als erfüllt. Letztes Jahr hätten Haushalte, Unternehmen und Verkehr 22,4 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen als 1990, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Zahlen des "nationalen Treibhausgasinventars" der Regierung

  • Stromtarife

    China überholt USA als größter Emittent von klimaschädlichem CO2

    China hat die USA einer Studie zufolge als weltweit größter Verursacher von klimaschädlichem Kohlendioxid-Ausstoß überholt. Der weltweite CO2-Ausstoß ist erneut gestiegen. Indien könnte schon bald Russland auf dem dritten Verschmutzer-Platz ablösen, wird prognostiziert.

Top