Umfrage

Ein Drittel der Bürger gegen Mainzer Kohlekraftwerk

Einer Umfrage zufolge stellt sich die Mehrheit der Bürger von Mainz und Wiesbaden nicht gegen das umstrittene Kohlekraftwerk, das auf der Ingelheimer Aue zwischen den beiden Städten gebaut werden soll. Nur 37 Prozent der Befragten lehnten das Projekt demnach tatsächlich ab

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps/sm) - 36 Prozent der Befragten stimmten dem Bau zu, 23 Prozent hätten zwar Bedenken, sähen aber keine Alternativen, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Für die repräsentative Umfrage hatte Forsa im Auftrag der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) insgesamt 2000 Bürger in beiden Städten sowie im näheren Umland befragt.

Betreiber sehen sich durch Umfrage bestätigt

"Wir sehen unseren Kurs deutlich bestätigt", sagte Ralf Schodlock, Vorstand der KMW, mit Blick auf das Ergebnis der Umfrage. Der Widerstand sei nicht so groß, wie es die Gegner des Kohlekraftwerks immer behauptet hätten. Dennoch habe die KMW das Thema ernst genommen und Gewissheit haben wollen. "Die Zahlen machen uns Mut", sagte Schodlock und kündigte an, denselben Kurs wie bislang auch weiterzufahren. Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) begrüßte das Ergebnis der Umfrage als "eindeutiges Bekenntnis zur Notwendigkeit des Kraftwerkbaus".

Bürgerinitiative zweifelt an Umfrageergebnis

Patrick Hassenflug, Sprecher der Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz (KoMa), zweifelte die Umfragewerte an. Wenn die KMW glaube, es gäbe in Mainz eine Mehrheit für das Kohlekraftwerk, solle sie sich nicht länger einer demokratischen Abstimmung verweigern. Er bezog sich dabei auf eine von KoMa und der Wiesbadener Bürgerinitiative "Kein Kohlestrom Wiesbaden" (KeKoWi) geforderte Bürgerbefragung, die von KMW aber abgelehnt wurde. Ein von der KMW angebotener Gesprächskreis wiederum wird von den Gegnern als Scheindialog kritisiert, weil die KMW das Genehmigungsverfahren unterdessen nicht hatte ruhen lassen wollen.

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