Umsatzzahlen

E.ON warnt vor energiepolitischen Fehlern

Der Energiekonzern E.ON hat bei der Vorlage seiner Zwischenbilanz am Mittwoch die Energiepolitik der Bundesregierung kritisiert. Unter anderem wegen der damit verbundenen Unsicherheiten hält sich E.ON mit seiner Prognose für 2010 zurück. Die Zahlen nach dem ersten Halbjahr 2010 zeigen deutliche Steigerungsraten auf.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/red) - Nach sechs Monaten verbuchte der Düsseldorfer DAX-Konzern deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen. Die E.ON-Aktie gab in einem schwachen Börsenumfeld bis zum Nachmittag 0,8 Prozent nach.

Von Januar bis Juni steigerte E.ON den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent auf 44,3 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 11 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis des Halbjahres sank um 9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Belastend wirkten im ersten Halbjahr den Angaben zufolge unter anderem der Verkauf des Höchstspannungsnetzes und das rückläufige Gasgeschäft. Dagegen sorgten die Einbeziehung des Gasfeldes Juschno Russkoje und höhere Margen in Großbritannien für einen höheren Gewinn. Für das Gesamtjahr bleibt der Konzern zunächst bei seiner Prognose höchstens knapp steigender Gewinne. Neben den energiepolitischen Unsicherheiten verwies E.ON auf das weiterhin durch Überkapazitäten belastete Gasgeschäft.

Der seit Mai amtierende Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen sparte nicht mit Kritik an der Bundesregierung. Diese müsse ihren Ankündigungen des Koalitionsvertrags endlich Fakten folgen lassen, schrieb Teyssen im Zwischenbericht. Man habe die Aussagen als pragmatischen Neuanfang gewertet, aber immer noch bestehe keine Klarheit über den energiepolitischen Kurs.

Der Manager bezog sich hauptsächlich auf die weiterhin ungeklärte Zukunft der Kernenergie. Eigentlich wollte die vergangenen Herbst ins Amt gekommene Bundesregierung aus Union und FDP die Frage der Laufzeiten längst geklärt haben. Doch die politische Diskussion ist noch nicht beendet. Mit den Plänen, künftig den Verbrauch nuklearer Brennelemente zu besteuern, ist die Stimmung zwischen Unternehmen und Politik zusätzlich belastet worden.

Der Bund will mit der Steuer ab 2011 jährlich 2,3 Milliarden Euro einnehmen. E.ON schätzt die Belastungen für die Branche dagegen auf über drei Milliarden Euro und den eigenen Anteil dabei auf 1,3 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro, die das operative Ergebnis schmälern würden. Teyssen zufolge gefährdet dies die Wirtschaftlichkeit der Atomkraftwerke und könnte dazu führen, dass die Mittel für den Umbau der Energieversorgung fehlten. "Ich habe der Politik unmissverständlich gesagt, dass wir diesen Weg für falsch halten, ökonomisch und ökologisch", schrieb Teyssen.

In einer Analystenpräsentation heißt es, dass E.ON im Kontakt mit der Regierung stehe, um eine alternative Lösung zu finden. Es werde erwartet, dass die Bundesregierung Anfang September über die Steuer und die Laufzeitverlängerungen entscheidet. Teyssen selbst will dann am 28. September seine Strategie und die Ziele für den Konzern präsentieren.

Wie der Konzern weiter mitteilte, ist der bisherige Chef der Tochter Ruhrgas, Bernhard Reutersberg (56), in den Vorstand bestellt worden. Er verantworte künftig die Führung der einzelnen Landesgesellschaften von E.ON.

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