Transparenz

E.ON verspricht Privatkunden Offenlegung der Preiskalkulation

E.ON wird als erstes Unternehmen der Branche die Kalkulation der Gaspreise für ihre Haushaltskunden in Deutschland transparent machen. Noch in diesem Monat wird E.ON Hanse die Zusammensetzung ihrer Gaspreise für ihre etwa 500.000 Haushaltskunden veröffentlichen. Man habe nichts zu verbergen, hieß es.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Nach der monatelangen Kritik an den gestiegenen Gaspreisen will der größte deutsche Energieversorger E.ON künftig allen Haushaltskunden eine genaue Aufschlüsselung ihrer Rechnungen anbieten. Nicht nur die Tochter E.ON Hanse werde ihre Preiskalkulationen offen legen, sondern auch alle anderen Regionalversorger des Konzerns, kündigte Vorstandschef Wulf Bernotat am Donnerstagabend in Essen an. "Wir wollen unseren Kunden zeigen, dass wir nichts zu verbergen haben", sagte er. Rund 1,1 Millionen Gas-Haushaltskunden in Deutschland profitierten von diesem Schritt.

Nach den Worten Bernotats sollen künftig die einzelnen Kostenblöcke - etwa für Beschaffung, Durchleitung und Vertrieb - und auch die Renditen des Unternehmens in den Gasrechnungen aufgelistet werden. Die Kunden könnten so nachvollziehen, wie sich ihr Gaspreis zusammensetze. Sie würden dann merken, dass E.ON "keine unangemessen hohen Renditen" erwirtschafte. "Im Gegenteil: Die Renditen im Gasgeschäft sind in letzter Zeit weiter zurückgegangen", sagte Bernotat.

Er wies zudem darauf hin, dass die gestiegenen Energie- und Gaspreise vor allem den Produzentenländern und deren Unternehmen zu Gute kommen. Bei E.ON könne man nicht von "exorbitanten Gewinnzuwächsen" sprechen. Dies werde sich auch in der kommenden Woche bei Vorlage des Zwischenberichts zum dritten Quartal zeigen.

Mit dem Schritt will E.ON Bernotat zufolge nicht nur Zweifel an der Angemessenheit der Preise ausräumen, sondern auch der Situation Rechnung tragen, dass Haushaltskunden derzeit noch nicht ihren Gasanbieter frei wählen können. Das Gefühl, keine Wahl zu haben und den Unternehmen ausgeliefert zu sein, habe sicherlich zu der derzeit angespannten Situation beigetragen. E.ON werde sich künftig dafür einsetzen, auch privaten Haushalten einen Wechsel des Gaslieferanten zu ermöglichen. Entsprechende Gespräche liefen bereits.

Hintergrund: Gegen E.ON Hanse läuft momentan ein Verfahren vor dem Landgericht Hamburg, das am 15. September entschied, dass die 52 E.ON Hanse-Gaskunden das Recht haben, gegen die Preiserhöhungen zu klagen, obwohl sie die Zahlungen verweigern. Zudem schrieb das Gericht die Offenlegung der Preiskalkulation durch E.ON Hanse vor.

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