Zusatzleistungen

E.ON Ruhrgas verschenkte angeblich auch Bonus-Meilen

Der Gasversorger E.ON Ruhrgas hatte neben kostenlosten Reisen für Stadträte und Energiemanager offenbar auch noch andere Zusatzleistungen im Programm: Wie "Der Spiegel" diese Woche berichtet, wurden auch Lufthansa Bonus Meilen im großen Stil verteilt. Die betroffenen Personen unterbreiteten mittlerweile "Friedensangebote".

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - E.ON Ruhrgas hat die von ihm belieferten Stadtwerke offenbar noch üppiger mit fragwürdigen Zusatzleistungen bedacht als bisher bekannt. Neben den Vergnügungsreisen für Lokalpolitiker, die bei den Stadtwerken in den Aufsichtsräten sitzen, kaufte der Essener Versorger in großem Stil Meilen aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More von der Deutschen Lufthansa auf und reichte sie an Kunden weiter, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet.

Während die Kölner Staatsanwaltschaft wegen der Reisen bereits gegen 159 Kommunalpolitiker und Manager ermittelt, sieht eine E.ON-Sprecherin in den Miles & More-Geschenken lediglich ein "Marketing-Instrument", schreibt das Magazin weiter. Allein die relativ kleinen Stadtwerke Neuwied hätten 2004 Bonusmeilen im Gegenwert von 26 000 Euro für "verkaufsfördernde Maßnahmen in ihrem Absatzgebiet" erhalten. Man habe die Meilen damals an Autohändler weitergegeben, die für Erdgasfahrzeuge geworben hätten, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Dirk Hillesheim dem Blatt.

Selbst wenn nur die Hälfte der knapp 100 deutschen, von E.ON Ruhrgas belieferten lokalen Gasversorger das Meilen-Geschäft nutzen, dürfte das den Konzern pro Jahr mehrere Millionen Euro kosten, schreibt das Magazin.

Unterdessen haben wohl die ersten von insgesamt 159 in der Reiseaffäre beschuldigten Stadträten und Energie-Managern der Kölner Staatsanwaltschaft "Friedensangebote" unterbreitet. Nach einem am Sonntag verbreiteten Vorabbericht des Münchner Nachrichtenmagazins "Focus" sollen sich Lokalpolitiker, die als Aufsichtsräte ihrer kommunalen Energieversorger auf Kosten der E.ON Ruhrgas und der Thyssengas etwa nach Rom oder ins Elsass getourt waren, zur Zahlung von Geldbußen bereit erklärt haben. Den Ermittlern zufolge verschafften sich die Kommunalspitzen durch die Trips einen "geldwerten Vorteil von bis zu 6000 Euro pro Fahrt".

Das Mammutverfahren wollen Korruptionsfahnder offenbar ausweiten. Bislang sollen laut "Focus" nur die Reiseakten der E.ON-Direktion West ausgewertet worden sein. Nun sollen auch die Unterlagen aus dem restlichen Bundesgebiet geprüft werden. E.ON Ruhrgas wies den Verdacht der Vorteilsgewährung als unbegründet zurück.

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