Preisschraube

E.ON Ruhrgas kündigt weitere Gaspreiserhöhungen an

E.ON Ruhrgas setzte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 641 Milliarden Kilowattstunden Erdgas ab und übertraf damit den Rekordabsatz des Vorjahres (617 Milliarden Kilowattstunden) erneut. Das Ergebnis sei mit 1,4 Milliarden Euro allerdings um 13 Prozent unter dem Vorjahreswert geblieben.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Deutschlands größter Gasversorger, die Essener E.ON Ruhrgas, hebt in diesem Jahr gleich mehrfach die Preise an. Nach bereits "deutlichen" Erhöhungen zum 1. April müssten sich Stadtwerke und Gasgesellschaften zum 1. Juli und 1. Oktober auf weitere Preisanhebungen einstellen, gab das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz bekannt.

Prozentuale Angaben über die Erhöhungen wollte der Ruhrgas-Vorstand "aus Wettbewerbsgründen" nicht machen. Begründet werden die Anhebungen mit gestiegenen Importpreisen für Gas. Zudem hätten die jüngsten Anstiege des Rohölpreises noch keine Berücksichtigung in den Gaspreisen gefunden, hieß es. Die Gaspreise sind traditionell an den Ölpreis gekoppelt. Laut Ruhrgas-Vorstandschef Burckhard Bergmann ist dies auch künftig die beste Regelung, um "Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähiges Preisniveau" zu vereinbaren.

Die hohen Energiepreise ärgern nicht nur die Verbraucher, sondern schlugen sich 2004 auch in der Ruhrgas-Bilanz nieder. Weil laut Bergmann die Beschaffungspreise für Gas angesichts international steigender Nachfrage den Verkaufspreisen davon galoppieren - begleitet von wettbewerbsbedingtem Margendruck -, blieb dem Unternehmen trotz eines neuen Absatzrekords weniger in der Kasse. Das Betriebsergebnis sank um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz fiel mit 14,4 Milliarden Euro geringfügig schwächer aus als im Vorjahr mit 14,7 Milliarden Euro.

Dagegen baute der zum Düsseldorfer Energieriesen E.ON gehörende Versorger den Gasabsatz vor allem durch Zuwächse im Auslandsgeschäft um vier Prozent auf 641 Milliarden Kilowattstunden aus. Der Inlandsgas-Absatz blieb mit 554 Milliarden Kilowattstunden konstant. Neue Kunden gewann die Ruhrgas im Vorjahr in Dänemark und Italien dazu und liefert damit jetzt in 13 Länder.

"Trotz intensiven Wettbewerbs haben wir unsere Marktstellung in Deutschland behauptet, das Auslandsgeschäft deutlich ausgebaut und unsere Position durch wichtige strategische Akquisitionen gestärkt", zeigte sich Bergmann mit dem Vorjahr insgesamt zufrieden. Für 2005 rechnet er mit einem weiteren Absatzplus, das "bei normalem Verlauf" unter dem siebenprozentigen Zuwachs des ersten Quartals bleiben werde.

Hinsichtlich der zuletzt ins Stocken geratenen Verhandlungen der Ruhrgas-Mutter E.ON mit dem russischen Gasversorger Gazprom über eine Beteiligung an der Gasproduktion in Sibirien gab sich Bergmann zurückhaltend. Die Gespräche würden fortgesetzt, sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen. Vor wenigen Wochen hatte Wintershall, Öl- und Gastochter der BASF, mit Gazprom die Beteiligung an einem Gasfeld in Westsibirien vereinbart, die der weltgrößte russische Gaskonzern eigentlich E.ON angeboten hatte.

E.ON hält knapp 6,5 Prozent an der Gazprom und ist damit größter ausländischer Aktionär. Das E.ON-Interesse an der russischen Gasförderung ist Teil der Strategie des Unternehmens, den Eigenanteil an der Gasbeschaffung deutlich auszuweiten. Russland ist mit einem Anteil von 31 Prozent das wichtigste Lieferland von Ruhrgas.

Von Frank Bretschneider

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