E.ON nimmt 4800 Megawatt Überkapazität vom Netz

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Die E.ON Energie AG wird etwa 4800 Megawatt (MW) ihrer 30 000 MW installierten Kraftwerksleistung vom Netz nehmen. Dies geschieht überwiegend im Jahr 2001. Die Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund bestehender Überkapazitäten im liberalisierten deutschen und europäischen Strommarkt. Dieser Angebotsüberhang hat dazu geführt, dass der auf dem Markt erzielbare Erlös inzwischen oftmals niedriger als die Erzeugungskosten der einzelnen Kraftwerksblöcke ist.


Bei den für die endgültige Stilllegung vorgesehenen Anlagen handelt es sich um die Blöcke 5 und 7 des Kraftwerks Arzberg, die Blöcke 21 und 31 des Kraftwerks Aschaffenburg, die Blöcke 1 und 2 des Kraftwerks Franken II, 400 MW der Kraftwerksgruppe West im Ruhrgebiet, Block C des Kraftwerks Offleben und Block D des Kraftwerks Schwandorf. Das Kernkraftwerk Stade soll im Jahr 2003 stillgelegt werden. Vom Betrieb in den Konservierungszustand überführt werden sollen Block 6 des Kraftwerks Arzberg, Block 4 des Kraftwerks Emden, Block 2 des Kraftwerks Pleinting und Block 2 des Kraftwerks Staudinger. Der Betrieb des Blockes 1 des Kraftwerks Staudinger wird auf die Winterjahreszeit begrenzt. Die bereits bestehende Langzeitkonservierung von Blöcken in Irsching und Pleinting bleibt erhalten. Bezogen auf die letzten 12 Monate verringert sich die erzeugte Strommenge damit in Niedersachsen um 6800 GWh, in Bayern um 5000 GWh, in Hessen um 1300 GWh und in Nordrhein-Westfalen in vergleichbarer Höhe.


Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen wird über einen Zeitraum von zehn Jahren per Saldo eine Verbesserung des Betriebsergebnisses von etwa 1,4 Milliarden DM erwartet. "Mit diesem Schritt setzen wir konsequent die schon vor Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung fort", begründete Hans-Dieter Harig, Vorstandsvorsitzender der E.ON Energie, Entscheidung des zweitgrößten privaten Energieversorgers in Europa. Harig wies aber gleichzeitig darauf hin, dass der Stilllegungsdruck in Deutschland zusätzlich verstärkt wird durch die energiepolitischen Rahmenbedingungen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das Kraft-Wärmekopplungs-Vorschaltgesetz sowie das geplante Kraft-Wärmekopplungs-Gesetz führten dazu, dass zusätzliche, für die Stromversorgung nicht benötigte Kraftwerksleistung mit staatlichen Subventionen gebaut würden. Damit werden laut Harig künftig weitere effiziente und vergleichsweise umweltschonende Kraftwerke aus dem Markt gedrängt und stillgelegt. Der mit den Kraftwerksstilllegungen zusammenhängende notwendige Personalabbau werde mit sozialer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern erfolgen, versprach der Manager.


Der Entscheidung liege eine sorgfältige Untersuchung des gesamten thermischen Kraftwerksparks zugrunde (konventionelle Kraftwerke und Kernkraftwerke). Unabhängig von den Standorten wurden dabei ausschließlich betriebswirtschaftliche Kriterien und vertragliche Verpflichtungen berücksichtigt. heißt es aus dem Unternehmen. Von der Stilllegungsentscheidung sind diejenigen Kraftwerke betroffen, die zu heutigen und auch mittelfristig abschätzbaren Strompreisen mit Verlusten produzieren. E.ON Energie hat angekündigt, mit den betroffenen Landesregierungen und den politischen Entscheidungsträgern vor Ort eingehende Gespräche über Nachnutzungsmöglichkeiten und wettbewerbsfähige Zukunftsinvestitionen zu führen.

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