Versorgungssicherheit

E.ON: Lieferengpass bei Gas durch Zusatzlieferungen ausgeglichen

Während die deutschen Politiker über Wege aus der Importabhängigkeit diskutieren, arbeiten die Gasversorger an Alternativplänen. Zum einen wurden Zusatzlieferungen aus den Niederlanden und Norwegen bestellt, zum anderen hat Gasprom seinen Einspeisungen in die Pipeline gestern noch erhöht.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der russische Gaslieferstopp in die Ukraine machte sich auch in Deutschland bemerkbar. Wie der E.ON-Konzern der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe) sagte, reduzierte sich der Druck aus der durch die Ukraine laufenden Transitpipeline am deutschen Übergabepunkt um knapp 30 Prozent. Das entspricht einer Menge von zehn Prozent aller Tagesimporte der Bundesrepublik. Nach Angaben der Unternehmen E.ON, Wingas und VNG Leipzig konnte diese Lieferkürzung im Wesentlichen durch Zusatzlieferungen aus den Niederlanden und Norwegen ausgeglichen werden.

Solche Ersatzbeschaffungen sind nach E.ON-Angaben wegen der Ölpreisbindung des Erdgases sowie auf Grund von Flexibilitätsklauseln in den Langfristlieferverträgen der Ferngasunternehmen ohne Preissteigerungen möglich. Damit sei gewährleistet, dass die Erdgaskunden in der Industrie und in den Haushalten jetzt nicht auch noch mit engpassbedingten Zusatzkosten belastet werden müssen.

Wie der E.ON-Konzern weiter bestätigte, hat die Gasprom ihre Einspeisungen in die Transitpipeline am Montagnachmittag deutlich erhöht, allerdings dauere es bis Dienstagabend, bis diese Zusatzmengen in Deutschland ankommen. Die deutschen Speicherkapazitäten wolle der Konzern derzeit nach Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen. Diese Reserve werde im Fall eines langen und harten Winters in Deutschland zur Abdeckung von so genannten Bedarfsspitzen benötigt.

Der SPD-Politiker Hermann Scheer sieht unterdessen eine wachsende Gefahr, dass Deutschland von Energielieferanten erpresst werden könnte. Die Bundesrepublik habe sich wie andere Industrienationen in "extrem fahrlässiger Weise" von russischem Erdgas abhängig gemacht, sagt der Energieexperte gegenüber der Stuttgarter Zeitung. "Die Erdgasvorräte gehen genauso schnell zu Ende wie beim Erdöl. Die Zahl der Förderländer ist relativ klein. Daraus ergibt sich potenziell eine größere Abhängigkeit - womit auch das Risiko von Konflikten größer ist." Die Abhängigkeit von russischem Gas könne langfristig "zur Fessel werden", sagt der Träger des alternativen Nobelpreises.

Im Gegensatz zu anderen Genossen hält Scheer den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht für einen möglichen Schlichter im aktuellen Gaskonflikt. Schröder tauge "leider nicht mehr" zum Vermittler, er sei "durch seine neue privatwirtschaftliche Rolle Partei geworden". Auch der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt, sieht Schröder nicht in der Vermittlerrolle: "Deutschland könnte als Vermittler nichts ausrichten. Schließlich sind die Deutschen durch ihre Beteiligung an der Ostseepipeline nicht mehr in neutraler Position", sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Dienstagausgabe). Es sei immer klar gewesen, dass sich Russland mit der Ostseepipeline auch einen alternativen Transportweg über die Ukraine schaffen wolle. Diesen Vorteil spiele Gasprom jetzt aus.

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