Kalkulation

E.ON Hanse: Offene Bücher und höhere Gaspreise

Die Vertriebsmarge für Haushaltskunden habe sich zwischen 2004 und 2005 von 0,08 auf 0,05 Cent pro Kilowattstunde Gas verringert, die Beschaffungskosten seien indes von 2,27 auf 2,88 Cent gestiegen. Für E.ON Hanse Grund genug, die Gaspreise zum 1.1.2006 erneut um über zehn Prozent zu erhöhen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Quickborn (ddp/sm) - Der norddeutsche Energieerzeuger E.ON Hanse will trotz zahlreicher Proteste und einer gerichtlichen Klage seinen Gaspreis im kommenden Jahr um 10,5 Prozent anheben. Es bleibe bei einer Preiserhöhung ab 1. Januar um 0,51 Cent pro Kilowattstunde, kündigte E.ON-Vorstandschef Hans-Jakob Tiessen heute in Quickborn an. Für einen Single-Haushalt bedeute dies zusätzlich 66 Euro mehr pro Jahr, für eine dreiköpfige Familie 100 Euro und für einen Vier-Personen-Haushalt etwa 166 Euro zusätzliche Kosten pro Jahr, rechnete Tiessen bei der Offenlegung der Preiskalkulation vor.

Tiessen räumte angesichts der massiven Proteste gegen die angekündigte Preiserhöhung ein, "dass der Kunde das, was da abläuft, nicht mehr nachvollziehen kann". Derzeit klagen unter anderem 54 Haushaltskunden vor dem Hamburger Landgericht auf Nachweis der Angemessenheit der Gaspreise. Deshalb habe sich der Energieerzeuger entschlossen, die Kalkulationspreise für die Haushaltskunden offen zu legen und damit Maßstäbe zu setzen. "Wir wollen, dass die Kunden uns wieder vertrauen", sagte Tiessen.

Als Hauptgrund für die Preisanhebung machte E.ON Hanse gestiegene Bezugskosten verantwortlich. So hätten sich die Beschaffungskosten seit dem 1. Januar 2004 um 70 Prozent erhöht. Davon würden mit der jetzigen Anhebung allerdings nur 40 Prozent an die Kunden weitergegeben. Die Umsatzrendite sei 2005 im Vergleich zum Jahr davor von 1,8 auf 1,0 Prozent gesunken, der Gewinnanteil habe sich von 0,08 auf 0,05 Cent pro Kilowattstunde reduziert. Diesen Daten liege ein Gutachten zugrunde, das von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestätigt worden seien. Das Ergebnis werde auch dem Gericht im anhängigen Rechtsstreit vorgelegt.

Ursache für den Preisdruck sind nach Angaben von Finanzvorstand Dirk Rüggen gestiegene Weltmarktpreise aufgrund erhöhter Nachfrage etwa durch boomende Länder wie China. Immerhin habe sich der Anteil der Bezugskosten am Gaspreis seit 2004 von 51 auf 57 Prozent verteuert. Damit seien die Bezugskosten um 0,61 Cent auf 2,88 Cent pro Kilowattstunde gestiegen, ein Mehr von 30,6 Millionen Euro jährlich. "Ein dauerhaftes Sinken der Gaspreise scheint uns nicht in Sicht zu sein", betonte Rüggen.

Vor diesem Hintergrund befürwortet die Unternehmensführung auch ein Festhalten an der Ölpreisbindung als Grundlage für die Gaspreiskalkulation. "Andere Maßnahmen als die Ölpreisbindung hätten keine preissenkende Wirkung", sagte Rüggen. Als Beleg führte er das Beispiel Großbritanniens an, wo die Preise bereits weitaus höher lägen. "Wir können uns von den weltweiten Mechanismen nicht abkoppeln", so Rüggen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Strom sparen

    Strom- und Gaskunden werden kaum entlastet

    Verbraucher werden wohl 2015 kaum entlastet, was die Energiepreise betrifft. Dem Preisindex des Verbraucherportals Verivox zufolge sinken die Strom- und Gaspreise im Januar nur leicht. Gleichzeitig hat es im Jahresverlauf 2014 einige Preiserhöhungen gegeben - insgesamt ein "Nullsummenspiel" für die Verbraucher.

  • Gaspreis

    Gaspreise steigen trotz Fall der Ölpreisbindung

    Die Gaspreise steigen weiter - obwohl die Ölpreisbindung fällt und Energiekonzerne von ihren Gaslieferanten hohe Rückzahlungen kassieren. RWE beispielsweise erhöht die Preise in der Grundversorgung bald erneut um mehr als sechs Prozent, dabei hat der Konzern in der Gasbeschaffung bei seinem Lieferanten Gazprom für lang laufende Verträge mit Ölpreisbindung gerade eine kräftige Rückerstattung erstritten.

  • Strom sparen

    Trendwende: E.ON-Hanse will Kalkulation offen legen

    Der Hamburger Gasversorger E.ON Hanse, der sich momentan in einem Rechtsstreit mit diversen Verbrauchern befindet, die die Rechtmäßigkeit der Gaspreiserhöhungen nicht anerkennen wollen, hat gestern angekündigt, bis 21. November seine Kalkulation offen zu legen. Verbraucherschützer sehen das als "Trendwende".

  • Strompreise

    EnBW Gas GmbH erhöht Preise um zehn Prozent

    Wie das Unternehmen mitteilte, wird die EnBW Gas GmbH ihre Preise zum 1. November 2005 anheben. Es sollen die höheren Beschaffungskosten aus den letzten drei Bezugspreissteigerungen des Jahres ohne Aufschläge weitergegeben werden. Weitere Erhöhungen in dieser Heizperiode könnten nicht ausgeschlossen werden.

  • Stromtarife

    Offenbach: Preise für Gas und Fernwärme steigen

    Die Offenbacher Versorgungsunternehmen Energieversorgung Offenbach GmbH (EVO) und Gasversorgung Offenbach GmbH (GVO) kündigen zum 1. Oktober Preissteigerungen bei Fernwärme und Erdgas an. Hauptgründe seien der hohe Ölpreis und die stark gestiegenen Bezugskosten.

Top