Überraschend

E.ON-Chef Bernotat kündigt seinen Rückzug an (Upd.)

Der Vorstandschef von Deutschlands größtem Energiekonzern E.ON, Wulf Bernotat, hat überraschend seinen Rückzug angekündigt. Das wurde auf der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch bekannt.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen (ddp/red) - Deutschlands größter Energiekonzern E.ON steht vor einem Führungswechsel. Vorstandschef Wulf Bernotat kündigte auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Essen überraschend seinen Rückzug im nächsten Jahr an. Er stehe für eine weitere Verlängerung seines Vertrages über Mai 2010 hinaus nicht zur Verfügung. Als heißer Kandidat für die Nachfolge gilt Johannes Teyssen, der seit 2004 im Vorstand sitzt und dort für das operative Geschäft zuständig ist.

Bernotat führte für seine Entscheidung persönliche Gründe an. Er werde im nächsten Jahr 62 Jahre alt und wolle sich dann neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Bernotat hatte den Chefsessel bei E.ON im Mai 2003 von Ulrich Hartmann übernommen, der an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt war. Hartmann sagte, E.ON werde nun in Ruhe über die Nachfolge beraten. Namen nannte er nicht.

E.ON habe sich zu einem Strom- und Gaskonzern entwickelt, der international so breit aufgestellt sei wie kein anderer Wettbewerber in Europa, bilanzierte Bernotat seine Vorstandsarbeit. Mit dem Abschluss des noch ins nächste Jahr reichenden Programms zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung werde E.ON gut für die Zukunft gerüstet sein: «Ich glaube, dass das dann der richtige Zeitpunkt ist, um E.ON mit gutem Gewissen an einen Nachfolger zu übergeben.»

Unter Bernotats Regie hat E.ON unter anderem die Essener Ruhrgas in den Konzern integriert, den britischen Energieversorger Powergen übernommen und sich an vielen Energieunternehmen in Osteuropa sowie Spanien, Italien und Frankreich beteiligt. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Beteiligungen wie etwa die Wohnungsbaugesellschaft Viterra wurden verkauft. Gescheitert war dagegen der Übernahmeversuch des spanischen Energieversorgers Endesa. Mit dem Bau der neuen Ostseepipeline, die russisches Gas nach Deutschland bringen soll, sicherte Bernotat der Ruhrgas einen Milliardenauftrag.

Künftig will E.ON nach Ankündigung Bernotats weniger durch Zukäufe, sondern aus eigener Kraft wachsen. Man wolle vor allem durch Investitionen in Kraftwerke, Netze oder Pipelines Werte schaffen. Von den 2009 bis 2011 geplanten Investitionen in Höhe von 30 Milliarden Euro soll ein Drittel in die Modernisierung der Kraftwerks- und Netzkapazitäten fließen. Im Zentrum steht der Neubau von modernen Kohle- und Gaskraftwerken in Deutschland und Großbritannien, die ältere Anlagen ersetzen sollen.

Im Gasgeschäft will E.ON Bernotat zufolge künftig mehr Gas selbst fördern, um auf noch mehr Gasquellen zugreifen zu können. Die sich seit geraumer Zeit hinziehenden Gespräche mit dem russischen Gasriesen Gazprom über eine Beteiligung am russischen Gasfeld Juschno Russkoje stünden kurz vor dem Abschluss. Auch bei den erneuerbaren Energien will E.ON seine Position stärken und weiter in Windenergie, Biomasse und Bio-Erdgas sowie Solartechnologien investieren.

Bernotat bekräftigte gegenüber den Aktionären das Ziel, sich von rund zehn Milliarden der 2008 knapp 87 Milliarden Euro Konzernumsatz zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Darüber hinaus sollen bis 2011 bis zu 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Für 2009 hält E.ON daran fest, einen Konzerngewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf Vorjahreshöhe von 9,9 Milliarden Euro einzufahren.

Das könnte Sie auch interessieren
  • RWE

    RWE rutscht weiter ab - Verbraucherpreise bleiben stabil

    Bei RWE sinken zwar die Gewinne, so schlecht wie dem Konkurrenten Eon geht es dem zweitgrößten Energiekonzern Deutschlands aber noch lange nicht. So musste RWE kein Abschreibungen auf seine Kraftwerke vornehmen. Außerdem profitiert das Unternehmen von dem Verkauf der Gasfördertochter Dea zu Beginn des Jahres.

  • Straßenverkehr

    Europavergleich: Hier steigt der Preis für Immobilien

    Ein kleines Haus irgendwo in Europa – davon träumen viele Deutsche, schließlich sind es auch die Kosten für eine Unterkunft, die das Reisen so teuer machen.

  • Handytarife

    Mit Fonic auch ins Ausland für 9 Cent pro Minute telefonieren

    Ab Mittwoch kosten Gespräche vom Fonic-Handy in 50 häufig angewählte Länder nur noch 9 Cent pro Minute. Bislang ist der Preis mehr als zehn Mal so hoch - 99 Cent. Der Fonic-Vorstoß ist der erste seiner Art.

  • Energieversorung

    Energiepolitik bleibt Streitthema in Hessen

    Die SPD hat die Energiepolitik der schwarz-gelben Landesregierung in Wiesbaden am Donnerstag scharf kritisiert. Vor allem beim Thema erneuerbare Energien müsse dringend nachgebessert werden. Die Energiepolitik war auch im Wahlkampf eines der beherrschenden Themen.

  • Strompreise

    IHK Nord warnt vor Energieengpass in Norddeutschland

    In Norddeutschland droht nach Angaben der IHK Nord spätestens ab 2020 ein Energieengpass, da die Abschaltung von 35 Kraftwerken geplant sei. Bundeskanzlerin Merkel spricht sich derweil dafür aus, in der Bevölkerung um Akzeptanz für den Bau moderner Kraftwerke und Leitungsnetze zu werben.

Top