Milliarden-Deal

E.ON besiegelt Verkauf der Stadtwerke-Tochter Thüga

Mit einem Milliarden-Deal haben deutsche Kommunen einen Teil der Strom- und Gasversorgung wieder komplett in Staatshand zurückgeholt. Der Vertrag zum Verkauf der Thüga-Gruppe ist unterzeichnet, wie der E.ON-Konzern am Freitag in Düsseldorf mitteilte.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Düsseldorf (afp/ddp/red) - E.ON verkauft die Thüga, in der die Beteiligungen an zahlreichen kommunalen Strom- und Gasversorgern gebündelt sind, für rund 2,9 Milliarden Euro an eine Gruppe von rund 50 Stadtwerken. Der Verkauf ist ein Höhepunkt des Trends, dass Stadtwerke die lukrative Strom- und Gasversorgung wieder von privaten Konzernen zurückkaufen.

Käufer der Thüga sind die Stadtwerke von Hannover, Frankfurt, Nürnberg sowie von fast 50 weiteren kleineren Stadtwerken. In ihrer Tochter Thüga, dem größten Netzwerk kommunaler Energieversorger in Deutschland, hatte E.ON mehr als 90 Minderheitsbeteiligungen an Stadtwerken gebündelt. Mehrheitseigentümer sind meist Städte und Gemeinden. Die Thüga versorgte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Stromkunden und 2,9 Millionen Gaskunden. Außerdem wurden demnach rund eine Million Kunden mit Trinkwasser versorgt.

Die Thüga-Gruppe machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. E.ON will sich in seiner Strategie einer internationalen Ausrichtung von Beteiligungen in Deutschland trennen. Hierzulande sind E.ON und die anderen großen Energiekonzerne immer stärker in das Visier der Kartellwächter geraten.

Viele deutsche Stadtwerke sind dagegen daran interessiert, die Versorgung mit Strom und Gas wieder in eigene Regie zu bringen. Sie hatte die Versorger, die meist Gewinnbringer für die kommunalen Kassen sind, nach der Liberalisierung des Strommarkts 1998 oft verkauft, um kurzfristig die Finanzlöcher zu füllen.

Bei dem Verkauf werden die Thüga-Beteiligungen an der Berliner Gasag, an der HEAG Südhessische Energie, an den Stadtwerken Duisburg sowie an den Stadtwerken Karlsruhe nicht mit veräußert. E.ON will diese Anteile separat verkaufen.

Quelle: AFP

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