160 Millionen Euro Investitionen

E.ON Avacon will Stromnetz im Norden Sachsen-Anhalts ausbauen

E.ON Avacon plant wegen des Überschusses an Strom aus Windenergie im nördlichen Sachsen-Anhalt einen Ausbau des Hochspannungsnetzes. Bis 2018 sollen zusätzliche rund 160 Millionen Euro investiert werden, kündigte Geschäftsführer Thomas Hunecke an. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) befürchtete einen Preisanstieg für Verbraucher.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Magdeburg (ddp-lsa/sm) - Seit 2004 werde deutlich mehr Strom durch regenerative Energien erzeugt als verbraucht. Deshalb müssten die zusätzlichen Mengen in andere Bundesländer transportiert werden. Bislang habe das Unternehmen dafür bereits 20 Millionen Euro investiert.

Haseloff: Mehrkosten bundesweit umlegen

Haseloff geht davon aus, dass wegen solcher Investitionen kleinere und mittlere Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden in ganz Sachsen-Anhalt bis 2010 mit einer Mehrbelastung von jährlich rund drei Euro rechnen müssen. Bis 2015 prognostizierte er Zusatzkosten von sechs Euro jährlich. Haseloff forderte, die Mehrkosten bundesweit zu tragen. Die Bewohner Sachsen-Anhalts dürften nicht allein "zur Kasse gebeten werden, nur weil sie in einem windigen Gebiet leben". E.ON verwies auf Anfrage darauf, dass eine entsprechende Preiskalkulation noch nicht feststünde.

Haseloff kündigte an, am 28. August im Wirtschaftsausschuss des Bundesrates für eine bundespolitische Lösung zu plädieren. "Aus Brandenburg und Sachsen gibt es bereits positive Signale", sagte der Minister. Mit weiteren Ländern liefen Gespräche. Der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien, der per Gesetz gefördert wurde, dürfe nicht zum Standortnachteil für Sachsen-Anhalt werden.

Wirtschaftsexperte kritisiert spätes Handeln

CDU-Wirtschaftsexperte Detlef Gürth kritisierte das bisher mangelnde Engagement aller Strommonopolisten. "Die nötigen Investitionen in die Stromnetze sind bewusst vernachlässigt worden", sagte er. Zudem klaffe eine Lücke zwischen den Einnahmen, die mit den Netzdurchleitungskosten eingenommen, und den tatsächlichen Kosten, die für die Unterhaltung der Energienetze ausgegeben würden.

Bis 2010 soll unter anderem bei Stendal das neue Umspannwerk Stendal-West und eine rund 32 kilometerlange Trasse zwischen Stendal und Gardelegen errichtet werden. Dafür werden laut E.ON Avacon rund 50 Millionen investiert. Das Umspannwerk ist ein gemeinsames Projekt mit Vattenfall Europe Transmission. Das Werk soll im Sommer 2009 in Betrieb genommen werden.

Das Plus an Strom resultiert nach Angaben des Unternehmens aus der dezentralen Einspeisung an regenerativen Energien. Um eine Überbelastung der Leitungen zu verhindern, würden derzeit Anlagen abgeschaltet. Das neue Umspannwerk werde das Problem lösen und einen Puffer für längere Zeit schaffen. Die Schwerpunkte der Windenergie liegen Hunecke zufolge im Norden um Stendal und im Bördekreis. Landesweit gibt es laut Wirtschaftsministerium 2000 Windenergieanlagen.

Das Netzgebiet von E.ON Avacon erstreckt sich nach eigenen Angaben über den Norden Sachsen-Anhalts und das mittlere und östliche Niedersachsen. Insgesamt werden rund 1,1 Millionen Kunden versorgt.

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