Neue Studie

Durch AKW-Versicherung würde Strom unbezahlbar

Die Schäden, die ein Atomunfall in der Art von Fukushima zur Folge hat, sind finanziell kaum absehbar und ebenso schlecht versicherbar. Wissenschaftler der Universität Linz haben nun berechnet, was es kosten würde, würden die tatsächlichen Risiken versichert, und wie sich dies auf die Strompreise auswirken würde.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Linz (red) – Die Ergebnisse wurden vom österreichischen Umweltlandesrat Rudi Anschober vorgestellt; die Studie selbst basiert auf Berechnungen von Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz. Anschober führt an, dass eine Umwälzung der Kosten für eine ausreichende AKW-Versicherung diese Art der Energieerzeugung aus dem Markt drängen würde.

Derzeitige Haftung reicht nicht aus

In Deutschland müssen Kraftwerksbetreiber derzeit bis zu einer Summe von 2,5 Milliarden Euro für Schäden haften, in den meisten anderen Ländern liegt der Betrag deutlich darunter. Damit könnten aber nur kleinere Unfälle abgesichert sein, die Gesamtkosten für Fukushima lägen bei rund 300 Milliarden US-Dollar (etwa 225 Milliarden Euro).

Anschober stellt verschiedene Szenarien vor, wie deutsche Atomkraftwerke versichert werden könnten und welche Kosten entstehen würden: Würden alle 17 Kraftwerke einzeln bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften versichert, würden jährlich 331,5 Milliarden Euro fällig werden. Am günstigsten käme man weg, würde man nur die noch laufenden Kraftwerke bei einem Versicherer gemeinsam unterbringen; hier würden jährlich 19,5 Milliarden Euro anfallen.

Einfluss auf die Strompreise bei Umwälzung

Würden diese zusätzlichen Kosten auf die Verbraucher umgewälzt, würde das den Strompreis folgendermaßen beeinflussen: Beim günstigsten Szenario würde ein Aufschlag von 14 Cent pro Kilowattstunde (kWh) anfallen, beim teuersten wären es 2,36 Euro. Würde man tatsächlich die Prämien derart umlegen, wäre Strom kaum noch bezahlbar. Schneider rechnet weiter, dass bei einem Basismarktpreis von vier Cent pro kWh erst mit einer Laufzeit von etwa 100 Jahren einigermaßen erträgliche Strompreise erreicht wären; erst mit einer Laufzeit von 500 Jahren wäre ein Preis von vier Cent/kWh wieder möglich.

Anschober, in dessen Auftrag die Studie erstellt wurde, sagte dazu: "Noch heute übermittle ich diese Studie an Bundeskanzler, Außenminister, Wirtschaftsminister und Umweltminister. Österreich muss eine Initiative bei der Kommission gegen diese Milliardensubventionierung der Atomenergie und für europaweit einheitlich strenge Haftungsregeln starten und gegen diesen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht eine Klage einbringen."

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