Insolvenznachwirkungen

DSA: Wohin mit den Kundendaten?

Die Insolvenz des Hamburger Stromanbieters DSA ist nicht nur für Mitarbeiter und Kunden unangenehm, sie erschüttert auch den deutschen Strommarkt. Denn es verschwindet einer der letzten verbliebenen unabhängigen Anbieter von der Bildfläche. Jetzt wird es für DSA-Chef Schack darum gehen, die Kundendaten gewinnbringend zu verkaufen. Aber wohin?

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Am vergangenen Freitag hat sich bewahrheitet, was schon wochenlang vermutet wurde: Der Hamburger Stromanbieter DSA hat Insolvenz angemeldet. Das ist schlimm, für Mitarbeiter und Kunden, aber auch schlimm für den liberalisierten Strommarkt in Deutschland. Denn: Mit der DSA streicht einer der letzten unabhängigen Stromanbieter die Segel. Die verbleibenden Newcomer, etwa Yello, ares oder best energy, haben allesamt mittlerweile Mütterunternehmen, die zu den ehemaligen Monoplunternehmen gehören. Eine Ausnahme stellt nur noch die Essener Riva Energie AG dar.

Die große Frage ist jetzt, was mit den nach DSA-Angaben 40 000 Kunden passiert. Sicherlich ist DSA-Chef Jens Schack derzeit schwer damit beschäftigt, sie irgendwo gewinnbringend zu verkaufen. Allerdings wird man hier wohl nur von 40 000 Kundendaten sprechen können. Denn durch die konsequente Verweigerung der Zahlung von Netznutzungsentgelten, durch die sich die DSA in den vergangenen Monaten immer wieder in die Schlagzeilen brachte, sind diverse Kunden bereits in der Notstromversorgung. Da beispielsweise RWE Net schon im Mai den Bilanzkreisvertrag gekündigt hatte, konnten auch die untergeordneten etwa 260 Stadtwerke die Notstromversorgung für DSA-Kunden in ihrem Netzgebiet einleiten. Auch VEAG und E.ON Bayern, um nur einige der großen Unternehmen zu nennen, die ihre Verträge mit dem Hamburger Newcomer gekündigt haben, versorgen mittlerweile die ehemaligen DSA-Kunden wieder selbst.

Dennoch wird es Interessenten geben, denn immerhin haben diese 40 000 Kunden schon einmal den Stromanbieter gewechselt, so dass eine generelle Bereitschaft zum erneuten Wechsel angenommen werden kann. Wie die DSA dem strom magazin heute morgen mitteilte, hätte die Berliner ares Energie-direkt GmbH mit sofortiger Wirkung den Kundenbestand übernommen. Dies bestritt ares-Pressesprecherin Sabine Schröder allerdings im Gespräch mit dem strom magazin. "Diese Auskunft ist falsch. Richtig ist, dass wir daran interessiert sind, den ehemaligen DSA-Kunden ein gutes Angebot zu machen", sagte Schröder. Im strom-magazin Forum ist auch die Rede davon, dass die Helmstedter Avacon an den Kunden interessiert ist. Eine Bestätigung dieser Vermutung war dem strom magazin bisher noch nicht möglich.

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