CO2-Ausstoß

Druck auf EU für ehrgeizigere Klimaziele wächst

Da die Klimaverhandlungen ins Stocken gekommen sind, wächst der Druck auf die Europäische Union. Das Ziel ist eine Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes bis 2020 gegenüber 1990 um 30 Prozent. Ein Regierungsberater plädierte indes für eine "Klimapolitik der verschiedenen Geschwindigkeiten".

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/red) - Angesichts der stockenden Klimaverhandlungen wächst der Druck auf die Europäische Union, ihre Klimaschutzziele zu verbessern. Europa müsse den Ausstoß der schädlichen Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990 reduzieren, forderte der ehemalige EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am Freitag auf einer Konferenz der europäischen Grünen in Bonn. Die EU stellt bislang 20 Prozent in Aussicht und knüpft ein ehrgeizigeres Ziel an die Bedingung, dass andere Staaten ähnliche Zusagen machen. Mit Blick auf den EU-Gipfel im Juni stellte Dimas klar, es sei jetzt Zeit zu handeln.

Zum Beginn der Klimakonferenz der Bundesregierung auf dem Bonner Petersberg ruft der Politikwissenschaftler Claus Leggewie die europäischen Länder zu mehr Anstrengungen im Klimaschutz auf. Leggewie ist auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltfragen (WBGU), der die Bundesregierung berät.

Leggewie plädierte für eine "Klimapolitik der verschiedenen Geschwindigkeiten". Dafür müssten Partnerschaften mit ausgewählten Ländern geknüpft werden, sagte er. Dies könne zum einen helfen, die Sackgasse, in der sich die UN-Verhandlungen befinden, aufzulösen. Zum anderen könnten daraus effektive Selbstverpflichtungen zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes erwachsen.

Als Beispiele nannte der Experte Projekte zum Waldschutz mit Brasilien, Energiekooperationen mit Indien oder klimaverträgliche Entwicklungszusammenarbeit auf der Grundlage des Emissionshandels mit Ländern, die derzeit einen geringen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasemissionen haben.

Leggewie betonte, dass es nicht darum gehe, ein Gegengewicht zu den laufenden Klimaverhandlungen zu schaffen. "Das Ziel bleibt ein internationales Abkommen. Solange wir es aber nicht haben, brauchen wir Alternativen. Und am Ende können wir auf dem Weg dahin schon so viel geleistet haben, dass wir eine noch bessere internationale Regelung haben." Doch mache der Zwang zur Einstimmigkeit innerhalb der Vereinten Nationen Entscheidungen schwierig.

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