Internationale Ausschreibung

Dong plant Flotte von Kohleschiffen für Lubminer Kraftwerk

Für den Betrieb des geplanten Steinkohlekraftwerks in Lubmin will der dänische Betreiber Dong Energy eine eigene Flotte von Zulieferschiffen bauen lassen. Nach Angaben von Projektleiter Peter Gedbjerg wurde der Auftrag zum Bau von zunächst fünf sogenannten Leichtern und drei Schubschiffen bereits international ausgeschrieben.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Lubmin (ddp-nrd/red) - Die Auftragsvergabe würde nach einer positiven Genehmigungsentscheidung der Behörden zum Bau des rund zwei Milliarden Euro teuren Kraftwerks erfolgen. Um den Großauftrag hätten sich inzwischen mehrere Werften aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch Schiffbaubetriebe aus Europa und Fernost beworben, sagte Gedbjerg am Montag in Lubmin.

Die über einen besonders niedrigen Tiefgang verfügenden Kohleschiffe sollen jeweils im Tagesrhythmus etwa 13 000 bis 15 000 Tonnen Kohle von den Kohlelagern in Dänemark nach Lubmin anliefern. Das Ladevolumen reicht aus, um das Kraftwerk mehr als einen Tag lang unter Volllast betreiben zu können.

Auftragsvolumen rund 200 Millionen Euro

Der Schiffbauauftrag beläuft sich laut Unternehmerverband Vorpommern auf ein Volumen von weit über 200 Millionen Euro. Für den Bau der Fracht- und Schubschiffe habe sich unter anderem die Bremer Hegemann-Gruppe mit ihren Werften in Wolgast und Stralsund beworben, sagte Verbandspräsident Gerold Jürgens. Neben den Werften hofften auch viele unter Auftragsrückgängen leidende Bau- und Ausrüstungsfirmen der Region auf den Bau des Steinkohlekraftwerks. Mehr als 20 Prozent der Gesamtinvestition von über zwei Milliarden Euro würden in die regionale Wirtschaft fließen.

Verbesserungen bei Schadstoffbelastungen, Wasser- und Naturschutz

Nach Einreichung der überarbeiteten Projektunterlagen rechne Dong damit, dass die Genehmigungsbehörde noch im Mai die Vollständigkeit der Papiere bestätigen werde, sagte Gedbjerg. Die angekündigten Verbesserungen im Bereich von Schadstoffbelastungen, Wasser- und Naturschutz würden zu beträchtlichen zusätzlichen Investitionen und Mehrkosten im künftigen Kraftwerksbetrieb führen. Unter anderem würden die Staub- und Schwefeldioxidausträge deutlich und der zu erwartende Quecksilbereintrag in den Greifswalder Bodden auf 20 Prozent des ursprünglich angegebenen Wertes gesenkt. Zudem sei die Kläranlage größer dimensioniert als anfangs geplant.

"Außerdem werden wir den Betrieb des Kraftwerks so regulieren, dass bei bestimmten meteorologischen Bedingungen das in den Bodden eingeleitete Wasser eine kritische Temperatur nicht erreichen wird", versicherte Gedbjerg. Zugleich sei in Lubmin der Bau einer öffentlichen Messstation geplant, deren Überwachungswerte der Umgebung auch jederzeit im Internet verfolgt werden könnten.

Raschen Abschluss des Genehmigungsprozesses gefordert

Unterdessen forderte der im März von mehreren Unternehmen der Region geförderte Rat für Technik, Energie und nachhaltige Entwicklung Vorpommerns (RAT) einen raschen Abschluss des Genehmigungsverfahrens. Dong habe mit Akribie alle im Erörterungsverfahren aufgeworfenen Fragen und Hinweise abgearbeitet und ein schlüssiges Konzept erstellt, dass sich in den Industriestandort Lubmin, aber auch in die Tourismusregion einfüge, sagte Ratsvorsitzender Otto Ebnet. Der ehemalige Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern fügte hinzu: "Eine schnelle Umsetzung des Projekts wäre angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise außerordentlich vorteilhaft für die Region."

Dong Energy will bis 2012 in Lubmin ein 1600-Megawatt-Kraftwerk bauen. Für den Fall einer Genehmigung würde man unabhängig von eventuellen juristischen Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Greifswald umgehend in Vertragsverhandlungen mit Zulieferer- und Baufirmen eintreten, kündigte Gedbjerg an. Der eigentliche Bau könnte im kommenden Jahr beginnen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    EWN kauft Pläne für Kraftwerk von Dong Energy

    Die Energiekraftwerke Nord GmbH (EWN) hat angeblich die Planungsunterlagen zum Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin erworben. Die Pläne stammen vom dänischen Energiekonzern Dong Energy, doch statt Kohle wird es jetzt vermutlich ein Gaskraftwerk geben.

  • Energieversorung

    Ostseepipeline: Nord Stream korrigiert Baupläne

    Am Freitag soll es losgehen mit einem offiziellen Festakt: Die sogenannte Ostsee-Pipeline soll von der russischen Stadt Wyborg an die deutsche Ostseeküste bei Greifswald führen. Inzwischen hat der Betreiber Nord Stream aber noch einige Korrekturen an den Bauplänen vorgenommen.

  • Hochspannungsleitung

    Deutsch-polnische Konsultationen zu Lubminer Kraftwerk

    Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) empfängt am Montag in Lubmin eine Delegation des polnischen Umweltministeriums zu Konsultationen über den geplanten Bau eines Steinkohlekraftwerks am Greifswalder Bodden.

  • Strompreise

    Stadtwerke Traunstein verlassen Kraftwerksprojekt Lubmin

    Die Stadtwerke im oberbayerischen Traunstein ziehen sich aus dem umstrittenen Steinkohle-Kraftwerksprojekt in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Die rechtliche Lage sei zu unsicher, außerdem könne ein neues Kohlekraftwerk den Bürgern nur schwer vermittelt werden, sagte der Geschäftsführer.

  • Strompreise

    IHK Nord warnt vor Energieengpass in Norddeutschland

    In Norddeutschland droht nach Angaben der IHK Nord spätestens ab 2020 ein Energieengpass, da die Abschaltung von 35 Kraftwerken geplant sei. Bundeskanzlerin Merkel spricht sich derweil dafür aus, in der Bevölkerung um Akzeptanz für den Bau moderner Kraftwerke und Leitungsnetze zu werben.

Top