Vorzeigekraftwerk

Dong Energy wirbt mit sauberem Kohlekraftwerk für Lubmin

Mit einer Anlage bei Kopenhagen, laut dem Betreiber eines der saubersten Kohlekraftwerke der Welt, wirbt der dänische Energiekonzern Dong Energy für Einstieg in Lubmin. Dort soll ein vergleichbares Kraftwerk auf Steinkohlebasis erbaut werden, was bei den Anwohnern bislang auf Widerstand stößt.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Kopenhagen (ddp-nrd/sm) - Wie riesige abgeschnittene Pyramiden ragen die beiden Kraftwerksblöcke bei Kopenhagen in den Himmel. Aus den mehr als 100 Meter hohen Schornsteinen der futuristisch anmutenden Industriebauten steigt kaum sichtbar weißer Rauch auf. "Hier könnten Sie weiße Wäsche auf die Leine hängen, sie würde nicht verschmutzen", sagt der Däne Peter Gedbjerg, der für den Bau eines ähnlichen Kraftwerks des Dong-Energy-Konzerns in Deutschland wirbt.

Über geschlossene Förderbänder der Anlage gelangt Steinkohle in die Silos und in die Mühle, wo sie zu feinem Staub zermahlen und schließlich in die Brennkammern der Kraftwerkskessel geblasen wird. Kohlestaub oder Asche, die dem Rauch mit Elektrofiltern entzogen wird, findet man beim Rundgang durch das Werk fast gar nicht. Überwacht wird der Betrieb im Hauptkontrollraum.

Das 1990 erbaute Kraftwerk Avedoere verfügt seit 2001 über einen zweiten Block. "Ein so genannter Multibrennstoff-Block, der wahlweise mit Gas, Öl oder Biomasse wie Strohballen oder Holzpellets befeuert werden kann", erläutert Betriebsleiter Christian Nepper Ottesen. Unmittelbar neben dem Kesselhaus wurde deshalb ein spezieller Lagerkomplex errichtet, in dem drei Meter lange Strohquader für die Verbrennung vorbereitet werden. Täglich liefern etwa 60 Lkw jeweils zehn Strohballen an, die von rund 750 Landwirten der Region bezogen werden. Die 500 Kilogramm schweren Pakete werden mit einem Kran ins Depot umgesetzt, auf Restfeuchte gemessen und anschließend über ein Förderband - vom Computer gesteuert - der Verbrennung zugeführt.

Laut Dong Energy gilt der Komplex als eines der saubersten und effizientesten Kohlekraftwerke weltweit. Mit einer Stromleistung von 820 Megawatt werde fast ein Drittel des Bedarfs im Großraum Kopenhagen bereitgestellt, sagt Ottesen. Zudem werde mit dem Restdampf aus der Turbine Fernwärme an etwa 300.000 Haushalte geliefert. Die Restwärme geht an das Kühlwasser, das mit einer Temperatur von maximal zehn Grad in die Ostsee eingeleitet wird, pro Sekunde etwa 25 Kubikmeter.

Widerstand in Lubmin gegen Kraftwerksbau

Ein vergleichbares Kraftwerk, das allerdings vorerst nur auf der Basis von Steinkohle laufen wird, will Dong Energy im kommenden Jahr in Lubmin am Greifswalder Bodden errichten. Mit der 1,5 Milliarden Euro teuren Anlage wolle man am Wettbewerb im deutschen Strommarkt teilnehmen, der gegenwärtig noch zu 80 Prozent von vier Erzeugern kontrolliert werde, sagt der Lubminer Projektleiter Gedbjerg. Das Kraftwerk soll 2012 ans Netz gehen.

Das Projekt stößt vor allem bei Anwohnern der Tourismusregion Lubminer Heide, Usedom und Rügen auf Widerstand. Sie kritisieren den Ausstoß von jährlich 6,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid und Umweltbelastungen für den Greifswalder Bodden.

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