Planungshorizont

DIW-Wochenbericht: Energiepolitik und Energiewirtschaft vor großen Herausforderungen

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung betont in seinem aktuellen Wochenbericht, dass langfristige energie- und umweltpolitische Ziele notwendig sind, da viele Unternehmen mit einem Planungshorizont von mehreren Jahrzehnten rechnen. Strategisch ergebe sich die Notwendigkeit, mit Vorsicht an die anstehenden Investitionsentscheidungen im Kraftwerksbereich heranzugehen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Deutschland hat sich im Rahmen des europäischen "burden sharing" zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2008/2012 um 21 Prozent gegenüber 1990 verpflichtet. In einem "Nationalen Allokationsplan" ist nun festzulegen, wie dieses Ziel erfüllt werden soll. Der aktuelle Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) 48/2003 betont, dass für Unternehmen mit einem Planungshorizont über mehrere Jahrzehnte aber politische Signale über die darüber hinausgehenden langfristigen energie- und umweltpolitischen Ziele und die dafür vorgesehenen Maßnahmen notwendig sind.

Nach der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte in Europa stünden wichtige Regulierungsaufgaben zur Gewährleistung des Wettbewerbs und zur Sicherstellung des fairen Netzzugangs auf der Tagesordnung. Daneben stehe die Elektrizitätswirtschaft vor der Aufgabe, nicht nur den Stromerzeugungsbeitrag zu ersetzen, der mit dem Auslaufen der Kernenergienutzung entfällt, sondern ebenso Ersatz für die in großem Umfang zu erwartenden altersbedingten Stilllegungen konventioneller Kraftwerke zu schaffen. Strategisch ergebe sich die Notwendigkeit, mit Vorsicht an die anstehenden Investitionsentscheidungen im Kraftwerksbereich heranzugehen und Zeit zu gewinnen. Dazu könne als ein Schwerpunkt energie- und umweltpolitischer Aktivitäten die Förderung der Stromeinsparung eine wichtige Entlastungsfunktion übernehmen.

Auf der Angebotsseite sollte die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Ausbau von effizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sowie für einen wachsenden Beitrag der erneuerbaren Energieträger im Vordergrund stehen. Zudem sollte der Bau von Erdgas-GuD-Kraftwerken zumindest als Übergangsstrategie dienen. Dazu könnte die Abschaffung der Erdgassteuer für die Verstromung einen Beitrag leisten. Letztlich wird aber auch der Bau von neuen, hocheffizienten Kohlekraftwerken notwendig sein, um die verbleibenden Kapazitätslücken zu schließen, heißt es im Wochenbericht weiter.

Der Bau von weiteren neuen Kohlekraftwerken sei unter klimaschutzpolitischen Aspekten wohl erst dann zu vertreten, wenn sich die Option der Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung als machbar erweist. Hierzu sei eine Intensivierung der entsprechenden forschungspolitischen Anstrengungen von Wirtschaft und Politik dringend geboten, will man der Kohle umwelt- und klimaverträgliche Einsatzchancen eröffnen, fordert das DIW abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Netzausbau

    Energiesektor: Mehr Geld für Atomkraft - Stillstand bei Ökostrom

    Im Energiesektor wurde global betrachtet 2015 wieder deutlich mehr in Atomkraft investiert. Auch für alte Kohlemeiler wurde viel Geld ausgegeben. Bei Öl und Gas war ein Rückgang zu beobachten, während bei den Erneuerbaren der Geldfluss unverändert blieb.

  • Dürre

    Klimaschützer: G20 dürfen Kohlenutzung nicht weiter fördern

    Klimaschützer warnen erneut: Mit den bisherigen Plänen kann die Erderwärmung nicht auf zwei Grad begrenzt werden. Einer aktuellen Studie wird noch immer viel zu viel Geld in fossile Energien gesteckt.

  • Energieversorung

    Clement erläutert seine Energiepolitik

    Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, zur Eröffnung der Energiekonferenz von Bündnis 90/Die Grünen am 27. September 2003 in Berlin.

  • Hochspannungsleitung

    Baden-Württemberg will Rücknahme des Atom-Ausstiegs

    Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, sein Wirtschaftsminister Walter Döring und sein Umwelt-und Verkehrsminister Ulrich Müller haben sich gestern nach der Ministerratssitzung in Stuttgart für eine Rücknahme des Ausstiegs aus der Kernenergie ausgesprochen. Für die zukünftige Energieversorgung sei der richtige Energiemix entscheidend.

  • Hochspannungsmasten

    FDP: Rationale Energiepolitik statt ideologischer Sandkastenspielchen

    Die FDP fordert im Zusammenhang mit dem heutigen Energiegipfel in Berlin einen Energiemix aus dem Einsatz von fossilen Brennstoffen, erneuerbaren Energien und der Kernenergie. Effizienz und Kosten müssten die Kriterien sein bei der Auswahl der für die Einhaltung der wichtigen Klimaschutzziele geeigneten Energieträger.

Top