Nach Wirtschaftskrise

DIW: Niedriger Ölpreis kann neue Energiekrise auslösen

Der niedrige Ölpreis kann nach Einschätzung von Experten mittel- und langfristig negative Folgen haben, weil er die Erschließung neuer Ölquellen weniger rentabel macht. Nach der Finanzkrise drohe der Welt daher "eine neue Energiekrise", mahnte Claudia Kemfert vom Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in der "Wirtschaftswoche".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (AFP/sm) - Laut Kemfert stabilisiert der niedrige Ölpreis derzeit zwar die Konjunktur. Der Preisrückgang bei Öl und Benzin habe Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland im zweiten Halbjahr 2008 um mindestens zehn Milliarden Euro entlastet. Im ersten Halbjahr 2009 seien Einsparungen in ähnlicher Größenordnung möglich.

"Allerdings kann es die Konjunktur später umso härter treffen, wenn der Ölpreis durch globale Angebotsengpässe und mangelnde Ausweichtechniken wieder stark ansteigt", urteilte Kemfert. "Aufgrund des massiven Ölpreisverfalls werden vielerorts die wichtigen Investitionen in die Ölexploration storniert oder verschoben." Sobald sich die Wirtschaft wieder erhole und die Ölnachfrage steige, drohe der Welt "eine neue Ölknappheit".

Die Erschließung neuer Ölfelder lohnt sich demnach erst ab einem Ölpreis von über 80 Dollar pro Barrel. Die Förderung von Ölvorkommen in der Tiefsee etwa vor Brasilien, im Permafrostboden zum Beispiel in der Arktis oder von Ölsanden in Kanada sei erst ab einem Ölpreis von über 90 Dollar pro Barrel rentabel.

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