Finanztest

Dispozinsen im Schnitt bei 10,25 Prozent

Die Dispozinsen auf dem Girokonto liegen im Durchschnitt noch immer bei über zehn Prozent, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Es gibt jedoch viele Banken, die die Zinsen reduziert haben. An Transparenz mangelt es noch häufig.

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Berlin (AFP/red) - Nach wie vor werden Bankkunden, deren Girokonto ins Minus rutscht, von vielen Kreditinstituten kräftig zur Kasse gebeten. Häufig werden Dispozinsen im zweistelligen Bereich fällig, im Durchschnitt 10,25 Prozent, wie die Stiftung Warentest am Dienstag unter Berufung auf einen Vergleich der Konditionen von knapp 1500 Banken und Sparkassen mitteilte. Mehr Transparenz bei der Angabe der Dispozinsen sei "überfällig".

Zum sechsten Mal nahm die Stiftung Warentest die Dispo-Konditionen unter die Lupe. Das Ergebnis, das in der September-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" nachzulesen ist, bezeichnete Stiftungsvorstand Hubertus Primus als "unbefriedigend". Dispozinsen im zweistelligen Bereich seien "eindeutig zu hoch", vor allem da sich Banken von der Europäischen Zentralbank derzeit "fast umsonst" Geld leihen könnten. Ein "fairer Zins" müsse "deutlich unter zehn Prozent" liegen, mahnte Primus an.

Zinssätze zwischen fünf und sieben Prozent

Dabei zeigen die regelmäßigen Vergleiche der Stiftung Warentest nach seiner Darstellung Wirkung: Mehrere Institute, deren Dispozinsen im vergangenen Jahr "besonders dreist" gewesen seien, hätten sich inzwischen bewegt, sagte Primus. Von den 35 Banken, die Dispozinsen von 13 Prozent und mehr verlangten, seien noch elf übrig. "Das sind natürlich genau elf zu viel." Testsieger wurde - wie in den Vorjahren - die Deutsche Skatbank, die nur 4,49 Prozent verlangt, wenn ein Kunde sein Girokonto überzieht. Sehr gute Konditionen bieten laut Primus auch viele PSD Banken mit Zinssätzen von gut fünf bis sieben Prozent.

Wenig Transparenz seitens der Banken

Eine gesetzliche Vorgabe zur klaren Angabe des Zinssatzes im Internet, wie sie im nächsten Frühjahr in Kraft treten soll, ist nach Einschätzung der Stiftung Warentest dringend nötig. Von den 1472 befragten Banken hätten nur gut 420 bereitwillig Auskunft über die Höhe ihres Dispozinses gegeben. Bei weiteren 570 sei der Zinssatz auf der Internetseite gefunden worden. In fast 480 Kreditinstitute musste die Stiftung erst Tester schicken, um die Höhe des Dispozinses herauszufinden - in drei Fällen blieb selbst das ohne Erfolg. Dies entspreche den Werten des Vorjahres und zeige, dass sich die Banken freiwillig nicht bewegten, kritisierte Primus.

Die vom Kabinett bereits beschlossene Gesetzesänderung soll Banken dazu verpflichten, ihren Dispozins "klar, eindeutig und in auffallender Weise anzugeben", und das bereits auf ihrer Internetseite. Derzeit sei es für Verbraucher jedoch nicht bei allen Banken möglich, den angegebenen Preis "sofort und ohne weiteres Nachdenken und Nachlesen" zu verstehen, erläuterte die zuständige Projektleiterin der Stiftung Warentest, Stephanie Pallasch. Bei 56 Banken sei die Angabe zur Zinshöhe so unklar, dass sie nach Auffassung der Tester gegen die bereits jetzt geltende Preisangabenverordnung verstoße.

Niedriger Dispo, aber andere Nachteile

Als eine "unerfreuliche Entwicklung" beschrieb Pallasch den Trend von Banken zu "Spezialkonten" mit niedrigen Dispozinsen, aber hohen Kontoführungsgebühren. Solche Angebote seien selbst für Kunden, die regelmäßig ihren Dispo nutzen, "nicht immer die bessere Wahl", erläuterte sie. Den Trend werde die Stiftung Warentest bei weiteren Untersuchungen "kritisch beobachten".

Quelle: AFP

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