Wechsel des Lieferanten

Dinkelsbühl knackt Gaspreis-Monopol

Die bayrische Stadt Dinkelsbühl hat den Gaslieferanten gewechselt und spart dadurch knapp 300 000 Euro pro Jahr. Ohne Ärger ging das allerdings nicht vonstatten, denn die Kommune ist gemeinsam mit der Nürnberger N-ERGIE AG Gesellschafter der Dinkelsbühler Erdgas GmbH. Der Versorger war wenig kooperativ.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Dinkelsbühl (ddp-bay/sm) - Durch den Wechsel des Gaslieferanten hat die Stadt Dinkelsbühl das Preismonopol des Nürnberger Energieversorgers N-ERGIE geknackt. Künftig bezieht die Stadt im Kreis Ansbach ihr Erdgas von der Wingas GmbH aus Kassel, wie der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) am Freitag sagte. Dadurch könnte jeder private Haushalt in der Stadt im Schnitt etwa 90 Euro jährlich sparen. Den gesamten Sparbetrag bezifferte Hammer auf etwa 300 000 Euro pro Jahr.

Die N-ERGIE hatte zuvor angekündigt, die Preise für Erdgas ab Oktober um knapp 16 Prozent anzuheben und dies mit der Entwicklung der Energiepreise begründet. Die Erhöhung schlägt mit rund 0,7 Cent pro Kilowattstunde zu Buche. Durch den Wechsel zur Wingas verteuere sich die Kilowattstunde ab Oktober nur um 0,4 Cent, erläuterte Hammer.

Die N-ERGIE AG ist gemeinsam mit der Kommune Gesellschafter der Dinkelsbühler Erdgas GmbH. Eine außerordentliche Gesellschafterversammlung, auf der das Kasseler Angebot beraten werden sollte, ließ das Unternehmen am Donnerstag platzen. Daraufhin einigte sich die Kommune im Alleingang mit Wingas. Das Kasseler Unternehmen gehört zu 65 Prozent der BASF-Tochter Wintershall AG und zu 35 Prozent dem russischen Erdgashersteller Gasprom.

Die Einigung "bedeutet Kaufkraft, die in unserem Raum bleibt und nicht an einen Monopolisten abfließt", betonte Hammer. Er fügte hinzu: "Wir sind nicht machtlos den großen Monopolisten ausgeliefert." Er wollte sich nicht dem Preisdiktat eines der großen Energiemultis aussetzen, sondern sich vielmehr auf die eigenen Stärken besinnen und, "wo immer möglich, einer dezentralen Lösung den Vorzug geben".

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