Konjunktur

DIHK: Börsenabsturz lässt Firmen kalt

Laut DIHK sind es nicht die Turbulenzen an der Börse, die deutsche Unternehmen bei Investitionen zögern lassen. Vielmehr betrachtet die Wirtschaft den Kurs der schwarz-roten Koalition mit Sorge, vor allem im Hinblick auf die Energie- und Flüchtlingspolitik.

Wirtschaftswachstum© m.schuckart / Fotolia.com

Berlin - Der Absturz an den Börsen ist nach Einschätzung der Wirtschaft keine unmittelbare Gefahr für den robusten Aufschwung in Deutschland. In einer DIHK-Konjunkturumfrage schätzen die mehr als 27.000 befragten Firmen aus dem Mittelstand ihre Geschäftslage so gut ein wie noch nie.

Die Börsenentwicklungen zeigten eher die Verunsicherung an den Märkten, ein Überspringen auf die produzierende Wirtschaft sei derzeit unwahrscheinlich. "Unter dem Strich sprechen die positiven Geschäftserwartungen gegen einen Konjunkturabsturz", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Mittwoch in Berlin.

Bund und IWF schätzen Wirtschaftswachstum von bis zu 1,7 Prozent

Der DIHK bestätigte seine Prognose aus dem Herbst, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,3 Prozent zulegen könnte. Das ist eine vorsichtige Schätzung. Die Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarten bis zu 1,7 Prozent - in dieser Größenordnung war Europas Volkswirtschaft bereits im abgelaufenen Jahr gewachsen.

Firmen fürchten Entscheidungen der Bundesregierung

Jedoch blicken nicht alle Firmen optimistisch nach vorne. Fast jedes zweite Unternehmen bewertet die Wirtschaftspolitik der schwarz-roten Bundesregierung als Aufschwungrisiko Nummer eins. Die Unternehmen fürchten neben steigenden Kosten bei der Energiewende weitere Vorschriften auf dem Arbeitsmarkt, etwa Einschränkungen bei Zeitarbeit und Werkverträgen: "Wir haben eine super Lage, aber verhaltene Erwartungen", sagte Wansleben.

Firmen halten sich bei Investitionen zurück

Dementsprechend zurückhaltend wollen die Betriebe investieren. "Das ist eine schlechte Nachricht." Angesichts billiger Kredite und des großen Nachholbedarfs seien mehr Investitionen wichtiger denn je. Auf dem Arbeitsmarkt hält die gute Entwicklung noch an. Nach DIHK-Schätzung entstehen weitere 220.000 neue Stellen - mittelfristig rechnen Experten aber wieder mit höheren Arbeitslosenzahlen, weil viele anerkannte Asylbewerber nicht so rasch einen Job finden dürften.

Die Milliardengelder von Bund, Ländern und Kommunen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise stützen aber die Konjunktur - der DIHK beziffert den Wachstumseffekt in diesem Jahr beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 0,3 Prozentpunkte.

Künftige Risiken durch den Ölpreisverfall

Wie ein kostenloses Konjunkturprogramm wirkt seit längerem der drastische Verfall der Ölpreise. Der Wirtschaft wird es dabei allmählich mulmig: "Wir haben nichts gegen billiges Öl - aber ganz so billig muss es nicht sein", meinte Wansleben. Der Absturz der Preise überfordere viele Volkswirtschaften, was neue Risiken hervorbringen könnte.

Quelle: DPA

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