In Planung

Dieselraffinerie schafft bis zu 150 neue Arbeitsplätze

Auf dem Gelände des früheren Kernkraftwerkes Lubmin will die zur Hamburger Saalfeld-Gruppe gehörende Firma Choren eine Raffinerie zur Herstellung von Diesel aus Biomasse errichten. Neben Stroh und Mais sollen auch auch Holzabfälle zu synthetischem Dieselkraftstoff verarbeitet werden.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin/Hamburg (ddp-nrd/sm). Auf dem Gelände des früheren Kernkraftwerks Lubmin bei Greifswald sollen künftig Holzabfälle, Stroh und Mais zu synthetischem Dieselkraftstoff verarbeitet werden. Dafür will die sächsische Firmengruppe Choren Industries in den nächsten drei Jahren die weltweit erste industrielle Raffinerie für so genannten Sundiesel errichten, wie Projektleiter Michael Deutmeyer am Freitag in Lubmin sagte. Das erforderliche Grundstück soll noch in diesem Jahr von der Energiewerke Nord GmbH (EWN) erworben werden.

In der Raffinerie sollen ab 2008 jährlich etwa 225 Millionen Liter des neuen Dieselkraftstoffs hergestellt werden. Zugleich entstehen in dem rund 400 Millionen Euro teueren Werk nach Choren-Angaben 150 neue Arbeitsplätze. Pro Jahr werde rund eine Million Tonnen Biomasse vergast, darunter neben Holzhäcksel von Baum- und Strauchschnitten auch Stroh und Mais, der im Umkreis von bis zu 50 Kilometern angebaut werden könnte, sagte Deutmeyer.

Im Gegensatz zum Biodiesel, der aus pflanzlichen Ölen zum Beispiel durch Veresterung von Rapsöl gewonnen wird, ist so genannter Sundiesel ein rein synthetischer Kraftstoff. Nach dem von Choren entwickelten und patentrechtlich geschützten Verfahren werden Waldrestholz, Stroh und Energiepflanzen wie Chinaschilf oder Mais in einem dreistufigen Prozess vergast. Das daraus gewonnene Rohgas kann durch Verbrennung energetisch genutzt oder als teerfreies Synthesegas zur Herstellung von Kraftstoffen, Methanol oder Paraffinen genutzt werden.

Im sächsischen Freiberg wird bereits seit einem Jahr eine erste Testanlage zur Herstellung von schwefelfreiem Sundiesel gebaut. Mit dem vom Bundeswirtschaftsministerium mit fünf Millionen Euro geförderten Prototyp soll ab 2006 die industrielle Herstellung von Sundiesel optimiert werden. Nach ersten Tests der am Projekt beteiligten Autohersteller Daimler-Chrysler und Volkswagen lassen sich mit Sundiesel die Schadstoffemissionen gegenüber fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent verringern.

Mittelfristig will Choren für etwa zwei Milliarden Euro vier weitere Werke in Deutschland errichten. Um entsprechende Standorte sollen sich bereits mehrere Regionen beworben haben. Bis 2010 sollen in Deutschland bis zu einer Million Tonnen Sundiesel produziert werden.

Mehrheitsgesellschafter der Choren Industries GmbH ist der Hamburger Kaufmann Michael Saalfeld. Geplant ist die Gründung einer Lubminer Betreiberfirma mit dem Namen Choren Fuel & Co. KG mit Sitz in Schwerin. Zur Saalfeld Holding gehört auch die vor vier Jahren gegründete Projektentwicklungsgesellschaft Concord Power Lubmin GmbH & Co KG (CPL), die ab Frühjahr 2005 ebenfalls am Standort Lubmin ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 1200 Megawatt bauen lassen will. Dafür soll eine Erdgaspipeline aus dem Berliner Raum nach Lubmin gebaut werden.

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