Emissionen

Dicke Luft durch zunehmende Kohleverstromung

Der Treibhausgasausstoß in Deutschland geht nach Jahren des Rückgangs wieder nach oben. Nach vorläufigen Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) für 2012 stiegen die CO2-Emissionen im Jahresvergleich um zwei Prozent - vor allem wegen der hohen Auslastung von Kohlekraftwerken.

Verschmutzungsrechte© Tom Bayer / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Das gaben Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und UBA-Chef Jochen Flasbarth am Montag in Berlin bekannt. Eine wesentliche Ursache für die steigenden CO2-Emissionen ist demnach die zunehmende Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle.

"Das ist ein Ausreißer in einer bisher positiven Entwicklung", sagte Altmaier. Vor diesem Hintergrund müsse geprüft werden, "ob einige Entwicklungen in die richtige Richtung gehen". Wegen des niedrigen Kohlepreises sei der Bau hocheffizienter, moderner Gaskraftwerke derzeit weniger rentabel, während vor allem ältere, bereits abgeschriebene Kohlekraftwerke "sehr gut ausgelastet" seien. Zudem seien 2012 neue Braunkohlekraftwerke ans Netz gegangen. Die Verstromung von Braunkohle gilt als besonders umweltschädlich.

Höherer Gasverbrauch für Heizungen kommt hinzu

Von "wenig erfreulichen Zahlen" sprach auch Flasbarth. Er wertete ebenfalls die verstärkte Kohleverstromung als "besorgniserregend". Dagegen werde der Rückgang beim Atomstrom durch den Ausbau erneuerbarer Energien aufgefangen. Die Treibhausgasemissionen insgesamt, also unter Einbeziehung von Methan, Lachgas und weiteren Gasen, waren den UBA-Zahlen zufolge 2012 um 1,6 Prozent höher als im Vorjahr. Weitere Ursache neben der Kohleverstromung sei auch ein witterungsbedingt höherer Gasverbrauch für Heizungen.

Übereinstimmend stellten sich Altmaier und Flasbarth hinter die Pläne der EU-Kommission, dem Preisverfall bei CO2-Zertifikaten durch deren Verknappung entgegenzuwirken und so dem EU-Emissionshandel wieder mehr Wirksamkeit zu geben. Dagegen sperrt sich allerdings unter anderem Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Der Abstimmungsprozess im Kabinett sei im Gange, sagte Altmaier mit Blick auf anstehende Entscheidungen auf EU-Ebene.

Kardinalproblem Emissionshandel

Vergangene Woche hatte sich der Umweltausschuss des EU-Parlaments dafür ausgesprochen, 900 Millionen Zertifikate vorläufig vom Markt zu nehmen. Flasbarth wies allerdings darauf hin, angesichts von mehr als 1,5 Milliarden überschüssigen Zertifikaten wäre auch dies nur "ein erster Schritt". Mindestens müssten die Emissionsrechte dauerhaft gestrichen werden. Der Zertifikatepreis war statt erwarteter 20 bis 30 Euro im Januar zeitweise auf unter drei Euro gesunken.

Ungeachtet des Emissionsanstiegs hat Deutschland aber seine Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll deutlich übererfüllt. Statt bis Ende 2012 vorgeschriebener minus 21 Prozent Treibhausgasausstoß verglichen mit 1990 betrug der Rückgang laut Umweltbundesamt 25,5 Prozent. Kein vergleichbares Industrieland könne eine derartige Leistung vorweisen, sagte Flasbarth.

Kritik der Grünen an Klimaschutzpolitik

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin wertete den Anstieg der Emissionen als "Folge einer verfehlten Klimaschutzpolitik". Er warf in Berlin Altmaier vor, der Minister wolle "den Ausbau der Erneuerbaren ausbremsen, damit mehr Kohlestrom im Netz ist". Außerdem blockiere die Bundesregierung auf EU-Ebene verbindliche Energieeffizienzziele und Verbrauchsobergrenzen für Autos. Eine Stärkung des Emissionshandels durch eine Preisuntergrenze für Zertifikate verlangte der Grünen-Klimaexperte Hermann Ott.

Quelle: AFP

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