Stadtwerke im Wandel

DG BANK Branchenreport: Durchleitungspreise werden sinken

Die DG BANK hat jetzt einen Branchenreport "Stadtwerke im Wandel" veröffentlicht. Darin prognostizieren die Volkswirte unter anderem einen Rückgang der Durchleitungspreise und einen verstärkten Verkauf kommunaler Anteile an Energieversorgungsunternehmen.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Die Stadtwerke haben sich auf dem liberalisierten Strommarkt im Wettbewerb um die Privatkunden gut behauptet. Lediglich zwei bis drei Prozent der Privatkunden waren bislang bereit, von den Stadtwerken zu konkurrierenden Verbundunternehmen zu wechseln. Dies ist ein Ergebnis des jetzt vorgelegten Branchenreports "Stadtwerke im Wandel" der DG BANK Deutsche Genossenschaftsbank AG, Frankfurt am Main. Nach Einschätzung der DG BANK-Volkswirte werden sinkende Durchleitungspreise den Druck auf die Stadtwerke allerdings erhöhen. Auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre prognostiziert die Studie einen Rückgang der Durchleitungspreise um rund ein Drittel.


Die Auswirkung der Liberalisierung des Strommarktes sei innerhalb der Branche jedoch unterschiedlich. Insbesondere Stadtwerke mit einem geringen Anteil an Stromeigenerzeugung profitierten stark von den gesunkenen Stromeinkaufspreisen und erzielten überdurchschnittlich gute Geschäftsergebnisse. Dagegen hätten Stadtwerke mit einem hohen Anteil an Eigenerzeugung mit hohen Stromerzeugungskosten zu kämpfen, so die Studie. Während geförderter Strom aus erneuerbaren Energien oder aus Kraft-Wärmekopplungsanlagen konkurrenzfähig bleibe, sei die Eigenerzeugung aus herkömmlichen Energieträgern in vielen Fällen nicht mehr rentabel: Stadtwerke mit einem hohen Anteil an diesen Kraftwerken müssten nicht nur preisbedingte Umsatzeinbußen, sondern auch Gewinneinbußen zwischen 20 und 30 Prozent hinnehmen.


Ein weiteres Fazit: Der Wettbewerb auf dem Strommarkt habe zu einem drastischen Preisverfall geführt, der erst zu Beginn des Jahres gestoppt werden konnte. Die DG BANK-Experten rechnen in diesem Jahr mit Preissteigerungen in Höhe von etwa sechs Prozent bei den privaten Haushalten. Auch die Preise für Industriekunden würden zukünftig wieder leicht anziehen. Die Liberalisierung des Gasmarktes wird sich nach Meinung der DG BANK kaum auf die Marktposition der Stadtwerke auswirken. Die Experten erwarten eine Wechselrate von deutlich unterhalb einem Prozent. Da der Gaspreis an den Rohölpreis angebunden ist, sei nicht mit einem Preiswettbewerb wie in den ersten zwei Jahren der Strommarkt-Liberalisierung zu rechnen.


Profitieren könnten die Stadtwerke von der vom Bundeskabinett Anfang März neu verabschiedeten Energiesparverordung, die Bauherren zum Einbau sparsamer Heizungen verpflichtet. Hier werde ein steigender Privatkundenzugang erwartet, da innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre etwa zwei Millionen Heizungen - die vor 1978 installiert wurden - ersetzt werden müssten. Die DG BANK erwartet, dass vielfach Ölheizungen durch Gasheizungen ersetzt werden, wodurch der Marktanteil der Stadtwerke an der Gasversorgung von derzeit etwa 73 Prozent noch weiter ausgebaut werden dürfte.


Angesichts leerer Haushaltskassen werden die Kommunen künftig vermehrt Unternehmensanteile der Stadtwerke verkaufen, um ihre Haushalte zu sanieren, schätzt die DG BANK. Ausländische Unternehmen dürften dabei die größten Chancen bei Mehrheitsbeteiligungen haben. Um auf dem deutschen Energiemarkt Fuß fassen zu können, seien ausländische Investoren eher bereit, die Bedingungen der Kommunen hinsichtlich Arbeitsplatzsicherungen und umfangreicher Neuinvestitionen zu erfüllen. Deutsche Strom- und Gasversorgungsunternehmen seien dagegen eher am Endkundenzugang und an der Realisierung von Kostensynergien interessiert. Dies lasse sich zumindest zum Teil auch durch Minderheitsbeteiligungen erreichen. Für die Stadtwerke selbst bieten sich jedoch auch horizontale und vertikale Kooperationen an, so die DG BANK.


Weitere Informationen unter www.dgbank.de.

Das könnte Sie auch interessieren
Top