Trotz stillstehender Kraftwerk

Deutschland exportiert 2008 so viel Strom wie noch nie

Die deutschen Energieversorger werden 2008 voraussichtlich mehr Strom ins Ausland exportieren als je zuvor. Laut der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) belaufe sich der Exportüberschuss allein im ersten Halbjahr 2008 auf 14,4 Terrawattstunden - das entspreche etwa der Jahresleistung zweier Kernkraftwerke.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Im Vorjahr seien es im gleichen Zeitraum 10,8 Terrawattstunden gewesen, berichtet die "Berliner Zeitung" vorab unter Berufung auf erste Zahlen der AGEB. Auf das ganze Jahr 2008 gerechnet werde damit wohl das bisherige Rekordjahr 2006 übertroffen, schrieb das Blatt. Damals belief sich der Jahresüberschuss auf 19,8 Terrawattstunden.

Keine Stromlücke durch Atomausstieg

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte der Zeitung, obwohl mehrere Atomkraftwerke wegen technischer Probleme stillgestanden hätten, würden die deutschen Energieversorger in diesem Jahr voraussichtlich so viel Strom exportieren wie nie zuvor. "Dennoch sind nirgendwo in Deutschland die Lichter ausgegangen. Das zeigt einmal mehr, dass das Gerede von der angeblichen Unverzichtbarkeit der Atomenergie Quatsch ist", schlussfolgerte er.

Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte dem Blatt: "Die Zahlen entlarven das Gerede von einer Stromlücke als reine Panikmache, um eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten durchzudrücken." Angesichts des wachsenden Stromexportes sollten die besonders störfälligen Atomkraftwerke (AKW) in Biblis, Brunsbüttel, Neckarwestheim und Krümmel sofort still gelegt werden. "Zusammen haben sie im gesamten letzten Jahr weniger Strom erzeugt, als Deutschland im ersten Halbjahr 2008 als Überschuss ins Ausland geliefert hat", betonte sie.

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