OECD-Vergleich

Deutsche zahlen zweithöchsten Strompreis

Der Strompreis in Deutschland ist sowohl für die Verbraucher als auch für die Industrie vergleichsweise hoch. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Preise etwa dreimal so hoch liegen wie beispielsweise in den USA. Die Preisentwicklung habe sich vor allem in den letzten zehn Jahren ergeben.

Steigende Stromkosten© jogyx / Fotolia.com

Hamburg (red) - Im Standortvergleich der Industrieländer hat Deutschland den zweithöchsten Strompreis für Verbraucher und Gewerbe. Mit durchschnittlich 26,36 Cent/kWh wird Deutschland in der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) nur noch von Dänemark (29,83 Cent/kWh) übertroffen. Hier muss damit etwa doppelt so viel für den Strom gezahlt werden wie im benachbarten Frankreich (13,63 Cent/kWh) und fast dreimal so viel wie in den USA (9,25 Cent/kWh). Dies zeigt die mittlerweile dritte Auflage der Studie "BDO International Business Compass (IBC)" der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI).

Über 80 Prozent Preisanstieg

Die aktuellen Preise ergeben sich im Wesentlichen allein aus der Entwicklung des letzten Jahrzehnts: Zwischen 2002 und 2012 ist der Strompreis für Privathaushalte in Deutschland insgesamt um 83,4 Prozent gestiegen, so stark wie in keinem anderen OECD-Land. In Frankreich betrug der Anstieg im selben Zeitraum nur 23 Prozent.

EEG-Umlage stark gestiegen

Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des HWWI, fügt hinzu: "Der besonders starke Anstieg der Strompreise in Deutschland ist hauptsächlich auf Deutschlands Umstieg auf erneuerbare Energieträger zurückzuführen. Durch den raschen Ausbau von Windkraft und Photovoltaik ist die EEG-Umlage als Bestandteil des Strompreises im selben Zeitraum von 0,4 Cent/kWh im Jahr 2003 auf 3,59 Cent/kWh im Jahr 2012 gestiegen. Zusätzlich hat der mit der Energiewende einhergehende Investitionsbedarf im Bereich des Stromnetzausbaus preistreibend gewirkt."

Hohe Preise für Unternehmen

Auch die deutsche Industrie zahlt laut BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im OECD-Vergleich hohe Strompreise. Zwischen 2002 und 2012 steigen die Preise für Industriekunden um 124,9 Prozent. Damit steht Deutschland mit durchschnittlich 11,57 Cent/kWh heute auf Platz sechs der 27 untersuchten OECD-Länder. Standorte wie Norwegen oder die USA bieten dagegen mit Industrietarifen von 3,58 beziehungsweise 5,21 Cent/kWh deutlich günstigere Bedingungen für ihre heimische Industrie.

Standortnachteil für Betriebe

"Die so genannten Verbraucherstrompreise verstellen den Blick auf das Problem, dass der überwiegende Teil der deutschen Betriebe gar nicht in den Genuss vergünstigter Industriestromtarife kommt, sondern ebenfalls den Verbrauchertarif zahlt. Besonders für viele mittelständische Unternehmen bedeuten diese Strompreise einen erheblichen Standortnachteil gegenüber den Nachbarländern", so Dr. Arno Probst, Vorstand der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Da die Preise zwischen den einzelnen Anbietern in Deutschland stark variieren können, lohnt sich der Preisvergleich mit unserem Stromrechner. Auch für Gewerbetreibende können die Angebote unterschiedlich ausfallen. Unser Partner Verivox bietet einen kostenlosen und unverbindlichen Vergleich für Gewerbestrom an.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Eingriffe in das Stromnetz verteuern Strompreis

    Eingriffe in das Stromnetz durch die Netzbetreiber werden immer häufiger notwendig. Das kommt auch dem Verbraucher teuer zu stehen, denn die sogenannten "Redispatchmaßnahmen" werden letztendlich über den Strompreis finanziert.

  • Stromvergleich

    Mehrwertsteuer beim Strom: Staat kassiert rund 6 Milliarden Euro

    Strom ist in den letzten Jahren immer teurer geworden. Das liegt aber nicht nur an den Stromanbietern. Einen großen Teil des Strompreises machen nämlich Steuern und Abgaben aus.

  • Strompreis

    Strompreis in zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen

    Der Strompreis ist in den letzten zehn Jahren um rund 60 Prozent gestiegen, zeigt der Verbraucherpreisindex von Verivox. Hauptsächlich sind dafür die Preissteigerungen bei der EEG-Umlage verantwortlich. Ein Teil der Kosten aber ist ganz und gar vom Anbieter abhängig, weshalb sich ein Vergleich gerade jetzt lohnt.

  • Kühlschrank

    Abwrackprämie für den alten Kühlschrank

    Hartz-IV-Empfänger spüren die hohen Strompreise besonders stark. Jenseits komplizierter Reformversuche bei der Ökostrom-Förderung soll ihnen nun mit einer Kühlschrank-"Abwrackprämie" geholfen werden. Dazu wird zunächst ein Stromspar-Check gemacht und wenn ein neuer Kühlschrank eine bestimmte Ersparnis verspricht, wird der Austausch mit 150 Euro gefördert.

  • Strompreis

    Stromanbieter erhöhen Preise zum Frühjahr

    Die Strompreise werden im Frühjahr wieder angehoben. Hatte man das Glück, nicht bei den Anbietern unter Vertrag zu stehen, die direkt zum Jahreswechsel erhöht haben, könnte nun die Benachrichtigung folgen. Als Grund wird dabei immer wieder die EEG-Umlage angeführt. Dabei sind die Beschaffungskosten deutlich gesunken.

Top