Ausbau

Deutsche Essent steigt in Gas-Großhandel ein

Die Deutsche Essent will künftig die Erfahrungen der niederländischen Konzernmutter nutzen und auch in Deutschland in den Gashandel einsteigen - das deutsche Gasgeschäft sei schließlich das interessanteste in Europa, hieß es. Man denkt bei Essent außerdem darüber nach, in Zukunft eigene Stromerzeugungskapazitäten im deutschen Markt zu schaffen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Die Deutsche Essent bleibt am deutschen Energiemarkt weiter aktiv und baut insbesondere das Energiehandelsgeschäft weiter aus. Nachdem das Tochterunternehmen Essent Energie GmbH bereits vor einigen Jahren den Stromvertrieb aufgenommen hatte, soll nun der Aufbau im Großhandel mit Erdgas und Strom beginnen. "In unserer langfristig angelegten Strategie, uns am nordwest-europäischen Energiemarkt zu beteiligen, setzen wir jetzt auch auf Wachstum im Großhandel in Deutschland", sagte Paul van Son auf der E-world energy & water 2004 in Essen.

Zu diesem Konzept zählt der Einstieg in das deutsche Gasgeschäft, "dem Wachstumsmarkt innerhalb der Energiewirtschaft und zugleich der interessanteste im europäischen Gasmarkt", so Dr. Michael Redanz, als Geschäftsführer für den Energiegroßhandel bei der Essent Energie GmbH zuständig. Essent plant, den Energiehandel und -vertrieb mittelfristig auch mit Erzeugungskapazitäten im deutschen Markt zu unterlegen. "Wir denken mittel- bis langfristig auch an die Schaffung eigener Stromerzeugungskapazitäten im deutschen Markt", erläuterte van Son, "aber auch eigene Gasspeicher zur sicheren Marktversorgung gehören zu unserer Strategie."

Essent will dabei nicht zuletzt auf die Erfahrungen der niederländischen Konzernmutter im Gasgeschäft zurückgreifen. Paul van Son betonte, man sei durchaus zuversichtlich, sich am deutschen Markt mit wettbewerbsfähigen Angeboten im Sinne einer hohen Nachfrage vor allem aus dem Bereich der Stadtwerke und der Industrie etablieren zu können. Voraussetzung dafür sei allerdings eine "neutrale, wirksame Aufsicht" im deutschen Energiemarkt. Die ab Juli dieses Jahres arbeitende Regulierungsbehörde werde die Aufgabe haben, Grundsätze für das künftige Verhalten der Marktteilnehmer vorzugeben und damit den Rahmen für einen funktionierenden Wettbewerbsmarkt in der Energiewirtschaft abzustecken. Damit könne das bisherige Kontrollverfahren des Bundeskartellamtes, das eine ex-post-Missbrauchsaufsicht darstelle, abgelöst und somit deutlich verbessert werden.

Das Zauberwort laute einmal mehr Legal Unbundling - also ein diskriminierungsfreier Netzzugang und allgemeingültige Netznutzungsentgelte für alle Netznutzer. Damit habe man in den Niederlanden seit Jahren gute Erfahrungen gemacht, was auch auf bedeutende deutsche Wettbewerber wie E.ON, RWE oder EnBW zuträfe, die sich am niederländischen Energiemarkt längst etabliert hätten, so van Son weiter.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Index

    Stellenabbau bei RWE & Co.: Tausende Jobs fallen weg

    Den deutschen Energieversorgern RWE, Eon und EnBW geht es an den Kragen und damit auch seinen Angestellten. Bei allen drei Unternehmen stehen Sparmaßnahmen an, die unter anderem Stellenstreichungen und Gehaltskürzungen nach sich ziehen.

  • Ende-Mit-Kernenergie

    Energiewende fordert ihren Tribut: RWE und Eon kämpfen

    Die Energiewende ist fünf Jahre nach der Atomkatastrophe voll im Gange. Auf der einen Seite sind erneuerbare Energien auf dem Vormarsch und bringen neue Jobs. Auf der anderen Seite ist mit fossilen Kraftwerken kaum noch Geld zu machen – die großen Energiekonzerne leiden.

  • Energieversorung

    Michael G. Feist viertes Vorstandsmitglied der Stadtwerke Hannover AG

    Bis zum 1. April dieses Jahres wird sich der von der Deutschen Essent GmbH kommende Michael G. Feist (53) als Vorstand ohne Geschäftsbereich bei der Stadtwerke Hannover AG einarbeiten. Zum 1. April dann wird er den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Erich Deppe in dessen Amt ablösen. Eine wesentliche Herausforderung stellt das Unbundling für Feist dar.

  • Hochspannungsleitung

    Preisunterschiede von bis zu 150 Prozent: Netznutzung bleibt teuer

    Die Strompreise in Deutschland steigen wieder. Laut Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) liegen die Hauptursachen dafür im fehlenden Wettbewerb und der Marktmacht weniger großer Anbieter. Sie könnten über die Entgelte für die Netznutzung Konkurrenzangebote künstlich verteuern und damit für den Kunden unattraktiv machen.

  • Stromnetz Ausbau

    Gaswirtschaft sieht keine Alternative zu Entry-Exit-Modell

    Nur ein Entry-Exit-Modell könne Wettbewerb und Versorgungssicherheit auf dem deutschen Gasmarkt gewährleisten. Die unterstrich erneut der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft, Manfred Scholle, auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energie. Vor der Einführung eines Regelzonenmodells warnte er.

Top