Zahlen 2008

Deutsche Erdöl- und Erdgasbranche legt 2008 weiter zu

Die deutsche Erdöl- und Erdgasbranche hat im vergangenen Jahr ihre Produktion weiter erhöht. So konnte rund ein Drittel der hiesigen Gas-Haushalte mit Erdgas aus heimsichen Quellen versorgt werden. Der Umsatz der Branche stieg um 24 Prozent.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Insgesamt stieg das Produktionsvolumen um drei Prozent, wobei einem Plus von neun Prozent beim Erdgas ein Minus von sechs Prozent in der Erdölförderung gegenüberstand, wie der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), Gernot Kalkoffen, am Donnerstag in Hamburg sagte. Damit konnten im vergangenen Jahr 16 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs gedeckt werden. Allein ein Drittel aller gasbeheizten Haushalte sei mit Erdgas aus heimischen Quellen versorgt worden, so Kalkoffen.

Das Gesamtergebnis ist Kalkoffen zufolge vor allem einer deutlichen Zunahme der Erdgasproduktion im Ausland geschuldet. Das Inlandsaufkommen habe dagegen 2008 mit 15,5 Milliarden Kubikmetern um 9 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Die inländische Erdölproduktion hat 2008 um rund 10 Prozent auf 3,1 Millionen Tonnen abgenommen. Insgesamt haben die WEG-Mitgliedsunternehmen 2008 weltweit 28 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 13 Millionen Tonnen Erdöl produziert.

Der Umsatz der Branche stieg um etwa 24 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Der Zuwachs sei vor allem durch steigende Erlöse erreicht worden. "Wir haben im vergangenen Jahr von den Preissprüngen profitiert", so der Verbandschef. Für 2009 rechnet Kalkoffen jedoch mit einem Umsatzrückgang durch stark sinkende Erlöse. Dies sei den nachgebenden Erdölpreisen geschuldet: "Wir sind praktisch wieder da, wo wir vor fünf Jahren mit den Preisen waren", sagte der WEG-Vorsitzende.

Der Markt sei aktuell gut versorgt. Und auch im weiteren Jahresverlauf sei aufgrund des Nachfragerückgangs in der Industrie mit einer entspannten Marktlage zu rechnen. "Das sind gute Aussichten für die Kunden", betonte Kalkoffen mit Blick auf den Preistrend.

Die Produktionssicherung sei aber nur durch einen hohen Investitionsaufwand möglich. Bei den heimischen Lagerstätten sinke die Förderrate jährlich um 15 bis 20 Prozent. "Wir müssen gegen diesen Trend aninvestieren, um den natürlichen Rückgang der Felder abzufedern", sagte Kalkoffen. Dennoch lasse sich diese Negativquote nur zu etwa 50 Prozent kompensieren.

2008 seien deshalb die Investitionen um 17 Prozent auf mehr als 470 Millionen Euro gestiegen. Dies habe auch zu einem Zuwachs von 500 Arbeitsplätzen innerhalb eines Jahres in den WEG-Mitgliedsunternehmen geführt. Ein großer Teil der Investitionen sei für die verbesserte Ausnutzung bestehender Felder erfolgt, darüber hinaus sei man aber auch erstmals wieder in die Lagerstättensuche gegangen.

Nach Angaben des Verbandes reichen die Vorräte in den Lagerstätten weltweit noch etwa 100 bis 150 Jahre. Von einer ähnlichen Dimension könne man auch in Deutschland ausgehen, wo hauptsächlich in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gefördert werde, sagte Kalkoffen. "Es gibt zwar noch viel Gas in Deutschland, aber wir müssen sehr viel mehr Ingenieursleistung, mehr Brain per Barrel investieren."

Kritik äußerte Kalkoffen an der Abgabenpolitik des Staates. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren die Staatseinnahmen überproportional gestiegen. "Während sich der Umsatz der Erdöl- und Erdgasproduzenten von 2000 bis 2008 knapp verdoppelt hat, ist im gleichen Zeitraum das Aufkommen an Förderabgaben auf das 4,5fache angestiegen", betonte er. Auch für 2009 sei keine Korrektur in Sicht. Auf Dauer untergrabe dies die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und gefährde langfristige Zukunftsinvestitionen.

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